Zusammenfassung der 7. Vorlesung

Grundlagen pädagogischer Organisationen und Institutionen

von Hans Merkens

  • V 12109
  • Wintersemester 2005/06
  • Montag: 12.00-14.00 Uhr
  • Beginn: 17.10.2005

Zusammenfassungen der einzelnen Vorlesungen:

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02

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Zusammenfassung der 7. Vorlesung:
Soziologische Ansätze zu einer Theorie der Institutionen I.

Auch in der Soziologie gibt es kein einheitliches Verständnis davon, was eine Institution ist. Von Wiese hat damit zwischenmenschliche Beziehungen bezeichnet, die von Dauer sind und den Zweck haben, den Zusammenhang zwischen Menschen/ Menschengruppen im Interesse dieses Gebildes zu festigen und aufrechtzuerhalten. Letzten Endes ist eine Institution in der Sicht von Max Weber nur eine der möglichen Varianten unter verschiedenen Möglichkeiten. Das Beispiel ist die Ehe. Pädagogische Institutionen sind wiederum nur eine Variante von Institutionen. Diesem weiten Verständnis von Institution wird nicht gefolgt.

1. Institution als Bürokratie (Weber)

In der Erziehungswissenschaft wird oft Institution mit Bürokratie gleichgesetzt. Das trifft zwar für die Vergangenheit nicht so zu, wie sich noch im laufe der Vorlesung zeigen wird, aber die neuen Anforderungen im Kontext von Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung machen einen hohen Aufwand an Dokumentation erforderlich, weil Prozesse dokumentiert werden müssen nur so lässt sich die Art der Leistungserbringung nachweisen – und deshalb Berichtssysteme aufgebaut werden. Ebenso müssen Übergaben dokumentiert werden. Wesentliche Merkmale von Bürokratien sind auch Expertentum, Vollzeittätigkeit und Professionalität. Heute wird von Bürokratien auch Effizienz erwartet.

Mit der Wiederkehr der Fachaufsicht und der Einführung von Monitoringsystemen (Schule z.B. über Vergleichsarbeiten) erhöht sich der bürokratische Aufwand. Es ergibt sich ein komplexes Beziehungsnetz zwischen finanzierenden und verwaltenden Institutionen (Jugendamt z.B.), den operativen Institutionen, Kindergarten z.B.) und den Klienten bzw. den Vertretern der Klienten (Familie z.B.). Das Netzt hat unterschiedlich Merkmale: Finanzierung, Qualitätskontrolle, Beziehungen zwischen Institutionen etc., so dass es keine einheitliche Rationalität gibt, unter die alles Handeln gestellt werden kann. Das Nichtpädagogische in den Beziehungen wird dann häufig als bürokratisch qualifiziert und gleichzeitig unterstellt, dass durch es das pädagogische Handeln erschwert werde. Vor allem die Beziehungen zwischen pädagogischen Institutionen können mit Hilfe des Bürokratiemodells dargestellt und untersucht werden, indem der Informationsaustausch, die Kontrolle und die Vermittlung von Entscheidungen untersucht werden.

2. Die Institution als Grundlage der Soziologie (Durkheim).

Für Durkheim wird nicht der Nutzen als Bestimmungsmerkmal von Institutionen herangezogen. Die Funktion der Institution war nicht entscheidend bei deren Gründung. Das trifft bei den pädagogischen Institutionen sicherlich für Betrieb und Familie zu, gilt aber bei vielen anderen nicht, wie der Schule oder der Jugendhilfe. Institutionen werden uns historisch mit ihrer Funktion überliefert. Daraus resultiert das Gefühl der Fremdbestimmung. Selbst Veränderungen in der Funktion lassen die Institution als ziemlich unverändert erscheinen. Beispiel Schule in den neuen Bundesländern nach der Wende. Institutionen erzeugen bei Eintretenden leicht das Gefühl der Anpassung. Es gibt Erwartungen über das richtige Verhalten in ihnen. Auch die jeweiligen Experten im Sinne von Weber müssen sich diesen Erwartungen anpassen. Erwartungen werden heute in gesetzlichen Bestimmungen kondensiert: Verbot des Prügelns in der Familie als Beispiel.

Die Institutionen sind nicht mit dem Zweck der Aufgabenerfüllung gegründet worden, man kann nur feststellen, dass die Aufgaben in ihnen erfüllt werden. Die Institutionen haben einen prägenden Einfluss auf das handeln in ihnen.

Fragen zum Kapitel 7

  1. Welche Beziehungen zwischen pädagogischen Institutionen lassen sich mit dem Bürokratiemodell erfassen?
  2. Was lässt sich als Grundmuster der Bürokratie bestimmen?
  3. Wo sehen Sie die Notwendigkeit für Tätigkeiten im pädagogischen Bereich, die man als bürokratisch abqualifizieren kann?
  4. Diskutieren Sie den Aspekt der Historizität von Institutionen im Sinne von Durkheim.
  5. Welche Bedeutung hat die Historizität der Institution für neu Eintreffende?

Weiterführende Literaturempfehlungen zum Kapitel 7:

  • Mayntz, R. (1971):Max Webers Idealtypus der Bürokratie und die Organisationssoziologie. In: R. Mayntz (Hrsg.): Bürokratische Organisation. Neue Wissenschaftliche Bibliothek, Bd. 27, 2. Aufl. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 27-35.

 

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