Biografische Tiefenwirkung ästhetischer Bildungsprozesse

Eine qualitativ-rekonstruktive Untersuchung zur impliziten Logik biografischer Erzählungen studentischer Postadoleszenten - Simon Obenhuber


Kurzbeschreibung

Erziehung wird mit steigender Subjektivierung verstärkt zu einer paradoxen Praxis. Sie soll die Zukunft der Edukanden sichern, kann aber selbst nicht auf gesichertes Wissen zurückgreifen. Die momentane Orientierungslosigkeit einer wertpluralen Gesellschaft verweist die wissenschaftliche Pädagogik mit Nachdruck auf die Begründung ihrer Normen und ihres Handelns. Die Vorstellung eines gelungenen Lebens oder von »Glück« wird zunehmend als gültiger Referenzrahmen benötigt, in welchem sich eine »geglückte Lebensbewältigung« abspielen könnte. Der intendierten Dissertation soll ein komplexes und gesellschaftskritisches Verständnis von Glück zu Grunde gelegt werden. Hierbei wird Glück als »augenblickliches« Resonanzphänomen mit bildender Tiefenwirkung reflektiert. Unter Rückgriff auf die »Dialektik der Aufklärung« werden die Grundintentionen Kritischer Theorie unter einem kritisch- ästhetischen Glücksbegriff aufgenommen. Die Untersuchung soll auf die Lebensphase der Postadoleszenz fokussiert werden, wenn nach dem Verlass der Erziehungsphase ein selbstständiger Takt (H. Nohl) mit der Aussenwelt notwendig wird.

Wie kann der junge Postadoleszent diese biografische Selektionsherausforderung (Baltes) ohne verbindliche normative Grundlage bewältigen? Diese Problematik wird sich in der Beschreibung von ästhetischen Erfahrungen als »biografische Resonanzerfahrungen« spiegeln.


Vorgehen/Methode

Die empiriebasierte Theoriebildung soll daraufhin als rekonstruktive Untersuchung angelegt sein, welche einer theoriegenerierenden Forschung entspricht. Die Theoriebildung wird mit der empirischen Untersuchung in der Forschungspraxis verschränkt. Der theoretische Referenzrahmen (Teil I) soll anhand einer »rekonstruktiven Untersuchung der handlungsanleitenden Strukturen von studentischen Postadoleszenten« bis hin zu einer mehrdimensionalen Typenbildung methodisch kontrolliert werden (Teil II). Der abschließende Teil III reflektiert diese Erkenntnisse aus dem Feld erneut und überträgt sie auf den dann aktualisierten theoretischen Referenzrahmen. Dieses wechselseitige Vorgehen soll innovative Rückschlüsse bezüglich des Zusammenhangs von (ästhetischer) Bildung und Biografie ermöglichen. Des Weiteren werden die gewonnen Erkenntnisse im letzten Teil auf die gegenwärtige Lage der politischen Parteien und hierbei auf die Möglichkeiten einer neuen Bildungsreform reflektiert. Ein Ausblick zu »Möglichkeiten und Grenzen einer resonanzorientierten Lebensführung« wird die Erkenntnisse der Dissertation zusammenführen.


Stichwörter: Normativitätsproblem, Glück, Lebensführung, Subjektivierung, Dialektik der Aufklärung, Subjekt-Objekt-Spaltung, Natur, Entfremdung, Emanzipation, Resonanz, Mimesis, ästhetische Erfahrung, Habitus, Identität, symbolische Prägnanz, Rekonstruktion, dokumentarische Methode, inkorporiertes Wissen, implizite Erziehung, Postadoleszenz