Vertrauensungleichheit - Dissertationsprojekt Judith Adamczyk

Vertrauensungleichheit – Dissertationsprojekt Judith Adamczyk

 

Kurzbeschreibung

Das Dissertationsvorhaben ist im Bereich der erziehungswissenschaftlichen Vertrauensforschung angesiedelt und nimmt eine theoretische wie empirische Fundierung des Phänomens Vertrauen in Bezug auf das deutsche Schul- und Bildungssystem vor. Obwohl die Erforschung von Vertrauen in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zugenommen hat, stellt das Vertrauen in Institutionen der Bildung ein deutliches Forschungsdesiderat dar.

Die Dissertation wird sich mit den Bedingungen für das sogenannte „Systemvertrauen“ auseinandersetzen. Hierbei geht es nicht um jenes Vertrauen, welches auf der zwischenmenschlichen Ebene vorhanden ist, sondern vielmehr um das Vertrauen, welches Institutionen oder Systemen wie z. B. dem Schulsystem entgegengebracht wird.

Institutionen oder Systeme haben als orientierungsstiftende Instanzen insbesondere in komplexen modernen Gesellschaften enorm an Bedeutung gewonnen.

In der Dissertation wird neben dem Vertrauen, das in die Bildungsinstitution „Schule“ gelegt wird, auch die damit einhergehenden Erwartungen an das Schul- und Bildungssystem untersucht.

Vorgehen / Methoden

In der Dissertation wird innerhalb der Vertrauensforschung ein bisher eher selten eingeschlagener methodischer Zugang gewählt. Bislang wurde das Vertrauen, welches Personen Institutionen entgegenbringen, häufig innerhalb der Einstellungsforschung in der Psychologie oder Politikwissenschaft bearbeitet. In dieser Arbeit wird hingegen (in Anlehnung an M. Hartmann) angenommen, dass Vertrauen eine praktische Variable darstellt.

Demnach ist das Vertrauen von Menschen solange unreflektiert vorhanden, bis äußere Anlässe oder Krisen eine veränderte Wahrnehmung erzeugen und dadurch Vertrauen reflexiv zugänglich wird. Vor diesem Hintergrund wird nicht lediglich nach der Einstellung gegenüber dem Schulsystem gefragt, sondern nach konkreten Ereignissen oder Handlungen, die mit Vertrauen – oder der Abwesenheit davon – einhergehen.

Das Phänomen Vertrauen wird mittels einer empirisch-qualitativen Herangehensweise erschlossen. Es werden leitfadengestützte Interviews mit Eltern durchgeführt, welche Kinder in der Übergangszeit von Grund- zur weiterführenden Schule haben, da sich besonders in dieser Zeit diverse Handlungsoptionen für die Eltern ergeben.

Durch die Erfragung von bildungsrelevanten Motiven sowie Einstellungen und Erwartungen seitens der Eltern soll sich der Frage nach dem Vertrauen in Institutionen der Bildung genähert werden und das Phänomen Vertrauen methodisch kontrolliert erhoben sowie theoretisch fundiert analysiert werden.

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