Wissenspassagen im Mehrebenensystem - Dissertationsprojekt Steffen Hamborg

Wissenspassagen im Mehrebenensystem – Dissertationsprojekt Steffen Hamborg

Kurzbeschreibung

Das Dissertationsvorhaben ist dem sich etablierenden Forschungsbereich der Educational Governance, einer erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Adaption der in den 1990er Jahren als Kritik an vereinfachenden Steuerungstheorien entwickelten Governance-Perspektive, zuzuordnen.

Im Anschluss an wissenssoziologische und diskursanalytische Theorietraditionen, die im Zuge des ,postmodern turn‘ disziplinenübergreifend stark an Bedeutung gewonnen haben, forciert die Dissertation dabei eine dezidiert sozialkonstruktivistische Perspektive auf die Handlungskoordination in Akteurskonstellationen.

Gerade in der erziehungswissenschaftlichen Governance-Forschung stellen derartige Betrachtungen nach wie vor ein erst in Ansätzen eingelöstes Desiderat dar.

Als Forschungsfeld für die Dissertation, die in Verbindung mit dem vom BMBF geförderten Forschungsprojekt „Rekonstruktion von Governance-Regimen des BNE-Transfers“ entsteht, dienen sechs ausgewählte Städte und Gemeinden, die im Rahmen der für die Jahre 2005 bis 2014 ausgerufenen UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) als Dekade-Kommunen ausgezeichnet wurden.

Methoden

Beruhend auf der Annahme, dass subjektivierte wie objektivierte Sinnstrukturen als Ergebnis der sozialen Konstruktion „gültiger“ Wissensbestände handlungsleitend wirken, rücken wissensbezogene Dynamiken, d.h. Vorgänge im Kontext der (Re-)Produktion und Veränderung raum-, zeit- und akteurgebundener Wissensverhältnisse, in den Mittelpunkt der Untersuchung. Ausgangspunkt hierfür bilden in den betrachteten Kommunen die Deutungen und Interpretationen des policy-Impulses BNE sowie die daraus resultierenden Umsetzungen in strukturbildende Handlungen des BNE-Transfers seitens der Akteure vor Ort – stets unter Berücksichtigung und in Bezug auf ihre jeweilige Perzeption des eigenen lokalspezifisch ausgeformten sozialräumlichen Kontexts.

Das Materialkorpus für die interpretativen Analysen bilden u.a. offizielle Dokumente, Medienberichte, (Selbst-)Darstellungen auf Homepages sowie fünf leitfadengestützte Interviews je Kommune mit Schlüsselpersonen des BNE-Transfers aus den Bereichen Verwaltung/Politik, Bildung, Zivilgesellschaft und ggf. Wirtschaft.

Die Auswertung erfolgt der Forschungsperspektive und Gegenstandsebene entsprechend im Rückgriff auf die Wissenssoziologische Diskursanalyse nach Reiner Keller und unter Zuhilfenahme einer institutionstheoretischen Heuristik nach W. Richard Scott, die regulative, normative und kulturell-kognitive Elemente unterscheidet.

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