Bachelor und Master in Deutschland

Bachelor und Master in Deutschland

Aktuelle Gesamtdarstellung über die Voraussetzungen und Perspektiven des neuen Studiensystems / von Peter Wex

Wex, Peter:

Bachelor und Master : die Grundlagen des neuen Studiensystems in Deutschland ; ein Handbuch / von Peter Wex.

Berlin : Duncker und Humblot, 2005. - 448 S. . - ISBN: 3-428-11371-3

Download des Inhaltsverzeichnisses (als pdf-Datei)

Die Hochschulen in Deutschland erleben derzeit die tiefgreifendste Studienreform seit Generationen, augenscheinlich sogar seit den Reformen von Humboldt. Die Diplom- und Magisterstudiengänge werden in den nächsten Jahren eingestellt. Studierende sollen ausschließlich, nach angelsächsischem Vorbild, in Bachelor- und Masterstudiengängen ausgebildet werden - so lauten die einheitlichen Beschlüsse und Vorgaben der Kultusminister und Wissenschaftsminister in Deutschland.

 

Sind die Hochschullehrer und Studierenden, sind die Ministerien und Agenturen auf diesen radikalen Wandel vorbereitet? Stimmen überhaupt die Voraussetzungen für die Übernahme des neuen Studiensystems und welche realen Anpassungen sind vorzunehmen, welche Perspektiven eröffnen sich?

 

Im WS 2004/05 sind erst 3 % aller Studierenden in Bachelor-/ Masterstudiengängen eingeschrieben (bei einer Gesamtzahl von über 11.000 Studienmöglichkeiten), ca. 800 der neuen Studiengänge sind überhaupt erst akkreditiert.

 

Ein Großteil der Lehrenden und der Studierenden lehnen die neuen Angebote schlichtweg ab. Das neue Studiensystem hat in hohem Maße ein Akzeptanzproblem, sei es aus Unkenntnis, sei es aus Überzeugung; in dem neuen Studiensystem werden z. Zt. mehrheitlich keine entscheidenden Vorteile gesehen.

 

Es ist das Ziel dieser ersten Gesamtdarstellung des neuen Systems, über alle wesentlichen Voraussetzungen und Inhalte eines Bachelor- und Masterstudienangebotes zu informieren. Aus diesem Grunde werden die relevanten historischen, bildungspolitischen und rechtlichen Entwicklungen breit aufgefächert und analysiert. Der internationalen, d.h. hier der ländervergleichenden Untersuchung kommt dabei ein hoher Stellenwert zu. Unausweichlich steht die Auseinandersetzung mit dem akademischen Ausbildungssystem in Deutschland im Vordergrund: Die Studiendauer wird immer länger, die Abbruchquote immer höher, das Teilzeitstudium immer häufiger. Der wissenschaftliche Nachwuchs geht ins Ausland, Spitzenleistungen gelingen eher an auswärtigen Universitäten. Obendrein gilt das Zulassungs- und Prüfungssystem als überholt und nicht mehr wettbewerbsfähig.

 

Können die genannten Ausbildungsprobleme besser mit dem gestuften angelsächsischen Bachelor- und Mastersystem beantwortet werden oder eröffnet der Bologna-Prozeß sogar einen eigenen deutschen Weg zur Erneuerung des Studiensystems?

 

Erstaunlicherweise wird nicht einmal in internen Hochschulkreisen die Überlegung weiterverfolgt, ob eine Art deutsches Bachelorsystem erfolgversprechend wäre: Kurz- und Langzeitstudiengänge, entrümpelte Studiengänge und modularisiertes Prüfungssystem mit der realistischen Einhaltung der Regelstudienzeit. Der Autor weist nach, dass dieser Reforman-satz bolognakonform wäre, mit beträchtlichen Perspektiven für den deutschen Bildungsmarkt.

 

Da die Verwirklichung der Bologna-Ziele dringend und unumkehrbar erscheint, haben die Hochschulen die Wahl, ob sie den Prozeß gestaltend oder duldend ertragen wollen. Die mit dieser Entwicklung einhergehende Zurückdrängung staatlicher Befugnisse eröffnet autonome Gestaltungsmöglichkeiten wie nie zuvor.