Arbeitsgedächtniskapazität

Wer sich kurzfristig viel merken kann ist intelligent, hat gute Noten und arbeitet gut im Team?

Das ist natürlich zu flapsig formuliert. Aber ja, unsere Forschung zeigt, dass die Fähigkeit, sich viele Informationen kurzfristig merken und gedanklich damit weiterarbeiten zu können, sehr wichtig ist. Das System in unserem Gehirn, das dafür verantwortlich ist, wird als Arbeitsgedächtnis bezeichnet. Die Leistungsfähigkeit dieses Systems bezeichnet man als Arbeitsgedächtniskapazität. In verschiedenen Studien haben wir gezeigt, dass Menschen mit einer hohen Arbeitsgedächtniskapazität in Mittel bessere Intelligenztestergebnisse erzielen. Das ist im Prinzip nicht besonders erstaunlich. Erstaunlicher ist schon die Präzision, mit der man anhand von Arbeitsgedächtnisleistungen, gemessen anhand sehr simpler Aufgaben, die Ergebnisse in komplexen Intelligenztests vorhersagen kann. Studien zeigen hier, dass sich bis zu 95% der Intelligenztestleistungen durch die Arbeitsgedächtniskapazität erklären lassen.

Informationen kurz merken, etwas anderes gedanklich verarbeiten und dann die gemerkte Information nutzen – das ist natürlich immer dann hilfreich, wenn man Aufgaben bearbeitet, die nicht auf den ersten Blick lösbar sind. Viele Mathematikaufgaben können nur schrittweise gelöst werden. Würde man das Ergebnis des einen Schritts vergessen, bevor der nächste gelöst ist, wäre die gesamte Aufgabe unlösbar. Auch hier spielt also das Arbeitsgedächtnis eine große Rolle. Unsere Forschung bestätigt dies – Schüler mit geringerer Arbeitsgedächtniskapazität haben im Mittel schlechtere Mathematiknoten – und legt nahe, dass es für manche Schüler hilfreich sein kann, wenn man mehrschrittige Aufgaben visualisiert oder Zwischenergebnisse notiert.

In unserer aktuellen Forschung verfolgen wir die Idee, dass auch das Arbeiten im Team hohe Anforderungen an unser Arbeitsgedächtnis stellt. In Gruppendiskussionen, beispielsweise, können nicht alle gleichzeitig reden. Stattdessen müssen sich einige Gruppenmitglieder ihre Ideen und Beiträge merken, der fortschreitenden Diskussion folgen, Ihre Idee ggf. weiterentwickeln und dann präsentieren, wenn sie an der Reihe sind.

 

 

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