Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie


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Kompetenzbegriff

Zugrundeliegender Kompetenzbegriff

Über den Begriff der Kompetenz existieren, trotz umfassender Forschungsarbeiten zu diesem Konstrukt, weder einheitliche Definitionen noch übereinstimmende Auffassungen, wie sich Kompetenz vermitteln und darüber hinaus messen lässt (vgl. Edelmann & Tippelt, 2004). Dennoch spielt der Kompetenzbegriff gegenwärtig vor allem im Zusammenhang mit der Definition von Bildungszielen – so genannten Qualifikationszielen – eine bedeutende Rolle.

 

Tippelt, Mandl und Straska (2003) untergliedern den Kompetenzbegriff in

 

Aus der dargestellten Gliederung des Kompetenzbegriffs lassen sich zahlreiche Parallelen und Anknüpfungspunkte zur kommunikativen, interaktiven und zur kritischen Gesundheitskompetenz nach Nutbeam (2001) finden. Darüber hinaus gibt die Gliederung jedoch Aufschluss über zwei weitere, in der fachkundigen Diskussion über den Kompetenzbegriff, zentrale Gesichtspunkte: Zum einen wird Bezug auf die Kontextspezifität von Kompetenz (domänenspezifische Fähig- und Fertigkeiten) genommen; zum anderen lässt sich in allen fünf Kompetenzdimensionen die Gemeinsamkeit der kognitiven Komponente der Kompetenz wieder erkennen.

 

"Für das Schwerpunktprogramm definieren wir Kompetenzen als kontextspezifische kognitive Leistungsdispositionen, die sich funktional auf Situationen und Anforderungen in bestimmten Domänen beziehen." (Klieme & Leutner, 2006)
 

 

Das DFG-Schwerpunktprogramm „Kompetenzmodelle zur Erfassung individueller Lernergenisse und zur Bilanzierung von Bildungsprozessen“, in welches das Projekt zur Gesundheitskompetenz eingebettet ist, definiert den Kompetenzbegriff nach Weinert (1999) als kontextspezifische kognitive Leistungsdisposition, die eine Person befähigt, bereichs- und situationsspezifische Anforderungen zu bewältigen. Dieser Kompetenzbegriff betont die Kontextspezifität und den kognitiven Schwerpunkt der Kompetenz und schließt explizit motivationale und affektive Aspekte aus der Definition aus. Der Vorteil dieser Definition, die im Bereich der Bildungsforschung immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist darin zu sehen, dass sie trotz ihrer Betonung der kognitiven Komponente die Grenze zum Begriff der Intelligenz wahrt. Dadurch bezieht sie sich alleine auf solche Fähigkeiten und Fertigkeiten, die grundsätzlich als trainierbar und lernbar angesehen werden können und damit durch Interventionen beeinflussbar sind. Hartig und Klieme (2006) zufolge wird Kompetenz als grundsätzlich erlernbar angesehen.  Diesem Kompetenzbegriff folgend ist auch die Möglichkeit einer gezielten Förderung der Gesundheitskompetenz vorhanden.

Die hier geplante Modellierung des Gesundheitskompetenzkonstruktes wird sich in erster Linie auf den Kompetenzbegriff als veränderbare domänenspezifische kognitive Leistungsdisposition beziehen.

 

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Literatur:

Edelmann, D. & Tippelt, R. (2004). Kompetenz – Kompetenzmessung: ein (kritischer) Überblick. Durchblick, 3, 7-10.

Hartig, J. & Klieme, E. (2006). Kompetenz und Kompetenzdiagnostik. In K. Schweizer, Leistung und Leistungsdiagnostik (S. 127-143). Berlin: Springer.

Klieme & Leutner (2006), Kompetenzmodelle zur Erfassung individueller Lernergebnisse und zur Bilanzierung von Bildungsprozessen. Überarbeitete Fassung des Antrags an die DFG auf Einrichtung eines Schwerpunktprogramms. (pdf)

Nutbeam, D. (2001). Health literacy as public goal: A challenge for contemporary health education and communication strategies into the 21st century. Health Promotion International, 15 (3), 259-267.

Tippelt, R., Mandl. H. & Straska, G. (2003). Entwicklung und Erfassung von Kompetenz in der Wissensgesellschaft – Bildungs- und wissenstheoretische Perspektiven. In: I. Gogolin und R. Tippelt (Hrsg.): Innovation durch Bildung. Beiträge zum 18. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (S. 349-369). Opladen: Leske+Budrich.

Weinert, F. E. (1999). Konzepte der Kompetenz. Paris: OECD.

 

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Stand 06.10.2010

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