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Vorgehen
Vorgehen
Das Projekt gliedert sich in vier Phasen:
- Hermeneutische Phase: Entwurf eines Gesundheitskompetenzmodelles
- Identifizierung von Verhaltensindikatoren
- Operationalisierung: Indikatorenentwicklung
- Modellprüfung
Die ersten drei Phasen des Projektes wurden bereits abgeschlossen. Informationen zu den aktuellen Ergebnissen sind in der Kategorie Forschungsstand einsehbar. Zur Zeit werden die für die Modellprüfung erhobenen Daten ausgewertet.
Ad 1. Hermeneutische Phase
In der hermeneutischen Phase liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Identifizierung und Fundierung einzelner Kompetenzdimensionen des Konstruktes der Gesundheitskompetenz und deren Beziehungen untereinander. Grundlage für die Modellentwicklung ist zum einen eine systematische Literaturrecherche, zum anderen werden im Rahmen einer zweistufigen online-gestützten Delphi-Befragung Experten aus dem Bereich Gesundheit nach ihren Vorstellungen eines Kompetenzstrukturmodells befragt.
Ad 2. Identifizierung von Verhaltensindikatoren
In der zweiten Projektphase werden Akteure aus dem Bildungs- und Gesundheitswesen zu moderierten, leitfadengestützten Gruppendiskussionen eingeladen und nach Ihren Vorstellungen von gesundheitskompetentem Verhalten befragt. Als Referenzinput wird das in Phase 1 formulierte dimensionale Kompetenzstrukturmodell vorgegeben.
Als Ergebnis der zweiten Phase sollen gesundheitsrelevante Verhaltensindikatoren aus der Sicht von Vertretern verschiedener Gesundheits- und Bildungsdomänen vorliegen. Diese bilden die Grundlage für die Operationalisierung der einzelnen Kompetenzkomponenten in Form von Items oder Leistungsaufgaben.
Ad 3. Operationalisierung: Indikatorenentwicklung
In dieser Phase des Projektes wird die Operationalisierung der einzelnen Kompetenzdimensionen vorgenommen. Aufbauend auf den in Phase 2 gesammelten und konsensuell validierten gesundheitskompetenten Verhaltensweisen werden für die einzelnen Dimensionen aus Phase 1 alltagsnahe, domänenspezifische Anforderungsaufgaben/-items formuliert, um sie der Beobachtung bzw. Messung zugänglich zu machen.
Zur Vermeidung eines mono method bias werden multiple Erhebungsmethoden eingesetzt. Vorgesehen sind Selbst- und Fremdeinschätzungen sowie Verhaltensbeobachtungen. Durch die Situationsspezifität der Aufgaben wird es ermöglicht, neben der Methoden- und Kompetenzstrukturvarianz auch eventuell vorhandene situationsspezifische Varianz zu analysieren.
Ad 4. Modellprüfung
Die Modellprüfung erfolgt in zwei Schritten. Zunächst wird in einer explorativen Phase das Mess- und Strukturmodell mittels des Multi-Trait-Multi-Method (MTMM) Ansatzes überprüft. Daran schließt sich die Konstruktvalidierung im Kontext anderer Konstrukte an. Die Annahme eines stufenartigen Aufbaus der Gesundheitskompetenz (Nutbeam, 2001) erfordert die Untersuchung unterschiedlicher Altersgruppen. Als Stichprobe sind Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 18 Jahren vorgesehen. Zur Modellprüfung ist die Anwendung von Strukturgleichungsmodellen geplant.
In der explorativen Phase soll das messtheoretische sowie das dimensionale Strukturmodell überprüft werden. Die Teilkompetenzen im Bereich der Gesundheitskompetenz werden als multiple Traits im Strukturmodell aufgefasst, welches im Weiteren auch um die Überprüfung eines Situationsfaktors angereichert werden kann.
Den Prüfstein der Konstruktvalidität des entwickelten Modells bildet ein nomologisches Netz, mittels dessen die Gesundheitskompetenz im Kontext anderer verwandter Konstrukte validiert werden soll. Konstrukte, deren Beziehungen zur Gesundheitskompetenz im nomologischen Netz überprüft werden sollen, sind u.a. Selbstwirksamkeit, Selbstregulation, Intelligenz sowie gesundheitsbezogene Outcomes. Hierzu soll auch auf Instrumente zur Erfassung von verwandten Kompetenzen aus anderen Projekten des Schwerpunktprogramms zurückgegriffen werden. Denkbar wären z.B. Bewertungskompetenz, Kompetenz zu kritischem Denken, soziale Kompetenz oder Problemlösekompetenz.
Erwartete Projektergebnisse
Neben der konkreten Ausgestaltung eines Strukturmodells zur Gesundheitskompetenz und seiner empirischen Validierung werden Hinweise für die psychometrische Umsetzung in möglichst automatisierter Form zur effizienten Auswertung und Rückmeldung erwartet. Die Entwicklung des Modells stellt die erste Grundlage dar, Messinstrumente für eine umfassende Gesundheitskompetenz zu erstellen, die bei einem Einsatz in Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen dazu beitragen kann, die Rolle der Gesundheitserziehung in ihren verschiedenen Facetten zu stärken. Zielgruppenbezogene Gesundheitsinformationen und -angebote sollen so besser auf die Voraussetzungen der Adressaten abgestimmt werden können.
Literatur:
Nutbeam, D. (2001). Health literacy as public goal: A challenge for contemporary health education and communication strategies into the 21st century. Health Promotion International, 15 (3), 259-267.

