"Self as Knower and Self as Known."

"Self as Knower and Self as Known. Die Interaktion zwischen deklarativem und prozeduralem Selbstwissen"

DFG-Projekt (2003-2005)

Projektleitung:

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen:

 


 

Zahlreiche Studien belegen, dass Personen in Abhängigkeit davon, ob sie sich selbst vor allem über persönliche Attribute und von anderen unabhängige Einheit definieren (independente Selbstkonstruktion) oder aber ihre Identität vorwiegend in ihrer Zugehörigkeit zu anderen Personen(gruppen) sehen (interdependente Selbstkonstruktion), Information unterschiedlich verarbeiten. Das Semantisch-Prozedurale Interface-Modell des Selbst (SPI) (Hannover & Kühnen, 2002; Hannover & Kühnen, submitted; Kühnen & Hannover, 2003; Kühnen, Hannover & Schubert, 2001) beschreibt, auf welche Weise die Selbstkonstruktionen das Denken, Fühlen und Handeln von Menschen beeinflussen. Genauer schlagen wir zwei interagierende Mechanismen vor, über die independentes und interdependentes Selbstwissen die Informationsverarbeitung steuert: Zum einen wird diese Einflussnahme durch die relative kognitive Zugänglichkeit autonomen versus sozialen Selbstwissens vermittelt, d.h. durch die Leichtigkeit, mit der Personen auf entsprechende Inhaltsdomänen zugreifen (semantischer Mechanismus). Zum anderen gehen beide Formen der Selbstkonstruktion auch mit unterschiedlichen Modi der Informationsverarbeitung einher (prozeduraler Mechanismus). Ist interdependentes Selbstwissen zugänglich, so werden Informationen tendenziell mit Bezug auf den Kontext verarbeitet, in dem sie erscheinen (kontextabhängiger Verarbeitungsmodus). Ist hingegen independentes Selbstwissen verfügbar, wird Information tendenziell unabhängig von ihrem Kontext kategorisiert und interpretiert (kontextunabhängiger Verarbeitungsmodus).

Ziel unseres aktuellen Forschungsvorhabens ist eine zweifache Erweiterung des SPI-Modells (Hannover, Pöhlmann, Springer & Roeder, submitted). Erstens wollen wir klären, durch welche kognitiven Prozesse die unterschiedlichen Verarbeitungsmodi der beiden Selbstkonzeptarten implementiert werden. Wir nehmen an, dass der Grad der Kontextabhängigkeit der Informationsverarbeitung von der Anwendung kognitiver Kontrollfunktionen abhängt, d.h. a) von der Fokussierung relevanter Information in einem Kontext, b) von der Inhibition irrelevanter Information und c) vom Aufgaben-Management. Zweitens beansprucht unser erweitertes Modell - hinausgehend über die bisherige Betrachtung des Selbst als kognitives System - auch rein motivationale Effekte independenten versus interdependenten Selbstwissens zu erklären: Wie sind selbstbezogene Ziele, Affekte und motiviertes Handeln auf die beiden Selbstwissensarten bezogen? Dazu integrieren wir Annahmen über das aktuelle Selbst sowie gewünschte Selbste (possible selves) in das SPI-Modell. Zur Ãœberprüfung unsere Annahmen führen wir Experimente und Quasiexperimente durch. Weiter interessieren wir uns für die Frage, inwieweit das SPI-Modell Geschlechtsunterschiede oder Unterschiede zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen bei der Verarbeitung sozialer Informationen erklären kann.


Literatur

 

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