Selbstverständnis und Entstehung der Gesundheitspsychologie

Begriffsbestimmung

Die Gesundheitspsychologie hat sich nun auch in Deutschland als eine Integrationsdisziplin innerhalb der Psychologie etabliert. Ihr Gegenstand liegt insbesondere in Verhalten, Kognition, Emotion und Motivation im Zusammenhang mit Erkrankungen, gesundheitlichen Risiken und Präventionsmaßnahmen. Es gibt Überlappungen mit der Pädagogischen Psychologie, der Klinischen Psychologie und der Verhaltensmedizin. Ein Unterschied zu diesen Disziplinen liegt darin, daß Gesundheitspsychologie sich primär auf Grundlagenforschung, insbesondere solche aus der Sozialpsychologie, stützt.

Sie befasst sich vor allem mit der Analyse und Beeinflussung gesundheitsbezogener Verhaltensweisen des Menschen auf individueller und kollektiver Ebene".

Um deutlicher zu machen, worin die Besonderheiten der Gesundheitspsychologie liegen, soll kurz auf ihre Beziehungen zur Verhaltensmedizin und zur Gesundheitswissenschaft (Public Health) eingegangen werden. Die Verhaltensmedizin stellt ein breites interdisziplinäres Feld dar, während die Gesundheitspsychologie als ein Integrationsfach innerhalb der Psychologie angesehen wird. Beide Ansätze gehen von der Prämisse aus, dass dem Verhalten eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Bewältigung von Krankheiten zukommt. Die Verhaltensmedizin befasst sich mit den Entstehungsbedingungen, der Prävention und der Behandlung von Krankheiten, wobei die Behandlungskonzepte überwiegend der klinischen Verhaltenstherapie verpflichtet sind. Verhaltensmedizin stellt eine Schnittstelle zwischen Medizin und Sozialwissenschaften dar. Gesundheitspsychologie dagegen ist nicht interdisziplinär, sondern sie versteht sich als ein neues psychologisches Fach, das sich mit den Entstehungsbedingungen und der Prävention von gesundheitlichen Störungen und Risikofaktoren befasst. Dies geschieht unter Rückgriff auf andere psychologische Fächer und unter besonderer Berücksichtigung protektiver Faktoren von Gesundheit.

Public Health wird im allgemeinen definiert als Wissenschaft und Praxis der Krankheitsverhütung, Lebensverlängerung und der Förderung psychischen und physischen Wohlbefindens durch gemeindebezogene Maßnahmen. Sie befasst sich auf interdisziplinäre Weise mit der Verhütung und Eindämmung von Krankheiten und erarbeitet Empfehlungen für gesundheitspolitische und sozialtechnologische Maßnahmen. Dazu tragen vor allem Epidemiologen, Soziologen, Sozialmediziner, Psychologen und Pädagogen bei.

Die Entstehung der Disziplin

Das Fach Gesundheitspsychologie hat sich international im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte entwickelt. In Deutschland wurde es erstmalig 1988 eingerichtet, und zwar als Wahlpflichtfach an der Freien Universität Berlin. Damit begann auch in diesem Lande eine curriculare Entwicklung auf diesem Gebiet. Es ging allerdings nur zögerlich voran, weil die Studien- und Prüfungsordnungen bis heute solche Innovationen im Studium erschweren. Andere Länder sind uns hier weit voraus.

Innerhalb der American Psychological Association (APA) wurde 1978 eine Division of Health Psychology gegründet, die heute über 5.000 Mitglieder zählt. An den Universitäten gehört das Fach Health Psychology inzwischen zu den Standarddisziplinen und ist innerhalb der Departments of Psychology angesiedelt, manchmal in Kombination mit anderen Teildisziplinen (z.B. "Health and Social Psychology").

Die International Association for Applied Psychology (IAAP) richtete 1986 ihre Fachgruppe Health Psychology ein.

Ebenfalls 1986 wurde die European Health Psychology Society (EHPS) gegründet.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat 1992 die Fachgruppe Gesundheitspsychologie eingerichtet. Deren erste Tagung fand 1993 in Berlin statt.

Gründung von Fachgesellschaften und Zeitschriften:

Im Verlag für Psychologie erscheint seit 1992 eine Buchreihe mit dem Titel "Gesundheitspsycholgoie" sowie seit 1993 die Zeitschrift für Gesundheitspsychologie. Zeitschriften in englischer Sprache sind Health Psychology (1982ff); Psychology and Health (1987ff), The Health Psychologist Newsletter (1994ff), Journal of Health Psychology (1996ff), Journal of Occupational Health Psychology (1996ff), British Journal of Health Psychology (1996ff).

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