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Institut für Sozialpädagogik (IfS)
| Adresse: |
Malteser Straße 74-100 12249 Berlin |
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| Leitung: | Dr. Britta Marschke | |
| Telefon: | 0177 / 822 40 91 | |
| E-Mail: | marschke@ina-fu.org |
In English
Selbstbeschreibung des Instituts für Sozialpädagogik (IfS)
Das Institut für Sozialpädagogik legt den Schwerpunkt auf das Gebiet der interkulturellen, sozialpädagogischen Lern- und Entwicklungsförderung des konkreten sozialen und gesellschaftlichen Kontextes. Das multikulturelle Team des Institutes arbeitet multidisziplinär. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Lernen voneinander, PraktikerInnen und TheoretikerInnen arbeiten im gemeinsamen, reziproken Prozess auf Augenhöhe miteinander.
Die inhaltlichen Schwerpunkte des Instituts sind:
- Auf- und Ausbau von Konzepten zur Weiterbildung und Fortbildung im Bereich der pädagogischen Assistenz, insbesondere Begleitung des pädagogischen Prozesses von IDEA (s. u.) und die Weiterentwicklung der Methode
- Entwicklung und Erprobung sozialpädagogischer Prozesse für Arbeitssuchende zum Aufbau und Unterstützung von Strukturen zur Selbsthilfe, zur Stärkung der Selbstwirksamkeit und Eingliederung in den Arbeitsmarkt
- Begleitung und Initiierung des Diversity-Ansatzes, des interkulturellen Austauschs und der Kommunikation zwischen Aufnahmegesellschaft und Minderheiten in der modernen Gesellschaft
- Entwicklung und wissenschaftliche Begleitung von Konzepten und Projekten zu Antidiskriminierung und Antirassismus
- Unterstützung von sozialpädagogischen Prozessen in der interkulturellen Arbeit durch wissenschaftliche Beratung und Evaluationen Dritter
Mitglieder des Institutes:
- Prof. Dr. Clemens Seyfried (Psychologe)
- Özkan Kalkan (Soziologe)
- Dane Krause (Sozialpädagogin)
- Ercan Umaç (Sozialpädagoge, Therapeut)
- Dr. Mikolaj Bednarski (Kulturwissenschaftler, Betriebswissenschaftler)
- Jürg Montalta (Regisseur)
- Alexander Klose (Jurist)
- Miriam Schroer-Hippel (Psychologin)
IDEA
In Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein Gesellschaft für interkulturelles Zusammenleben e.V. entwickelt das IfS das Basiskompetenzförderprogramm IDEA fort und begleitet die praktische Anwendung. Interkulturell – Denken – Entdecken – Anwenden fördert Schülerinnen und Schüler einen ihren Fähigkeiten entsprechenden und diese Fähigkeiten optimal fördernden Bildungsprozess zu durchlaufen, um eine tragfähige und belastbare Identität auszubilden. Die Kinder und Jugendlichen sollen nicht mit Bildungsmaßnahmen „versorgt“ werden, sondern durch die Beteiligung an Bildungsmaßnahmen befähigt werden, eigenständige Wege zu finden. Das Konzept legt damit einen Schwerpunkt auf eine personenbezogene, ganzheitliche Herangehensweise und verknüpft diese mit konkreten Arbeitsmodulen. IDEA arbeitet an den Ursachen und beschränkt sich nicht in der Bekämpfung der Symptome. Mittels einer täglichen Förderstunde in den Räumen der Schule wird in kleinen Gruppen von 4-6 Schülerinnen und Schülern kontinuierlich und mit einer persönlichen Vertrauensperson die Motivation zum Lernen ausgebaut. Unterstützend wird anhand des individuellen Lernstandes ein Lernprozess in Deutsch und Mathematik initiiert.
Kontakt: Dr. Britta Marschke
TBL
TBL (Trust-Based-Learning) zentriert die Disposition Vertrauen als determinierende Variable für Lern- und Entwicklungsprozesse. Dabei stellt die Schwierigkeit der Operationalisierung von vertrauensförderndem Verhalten eine besondere Herausforderung dar. In konkreten Situationen wird dem nachgegangen, was als Aufbau von Vertrauen bei unterschiedlichen pädagogischen Zielgruppen erlebt wird und inwieweit die Reflexion dieser Dimension bei den handelnden pädagogischen AkteurInnen auch entsprechende Verhaltensweisen für den Aufbau von Vertrauen hervorbringt. Im Konzept TBL steht diese Arbeit am Beginn von Lern- und Entwicklungsprozessen und wirkt so nach dieser Klärung einer methodischen Überfrachtung der Lernwege entgegen. Es wird davon ausgegangen, dass nach einer individuellen, inneren Zustimmung für ein konkretes Ziel die Lernarbeit von einzelnen Personen aufgenommen werden kann. Diese innere Zustimmung ist an Vertrauensdimensionen (wie z. B. Selbstvertrauen oder interpersonales Vertrauen) gebunden. Bei Maßnahmen zur Einbindung von Personen in die Arbeitswelt und den damit verbundenen, notwendigen Lernschritten soll im Konzeptkatalog die Vertrauensdimension als Ausgangslage für den Lernprozess stehen. Als Aufgabe stellt sich, theoretisch fundierte und praxisgerechte Entwicklungskonzepte für Personen mit dem Bedarf nach Lernschritten zu gestalten. Die Ausarbeitung dieser Vertrauensdimensionen und eine Hinführung zu einem bewussten Umgang mit der Entwicklung des Vertrauens - unter Einbeziehung der individuellen kulturellen biografischen Kontexte - bei allen an Lernprozessen beteiligten AkteurInnen sind weitere Ziele von TBL.
Kontakt: Prof. Dr. Clemens Seyfried
RifE
Mit RIfE (Reflection Instrument for Education) wird ein Instrument zur Erfassung der Reflexionskompetenz in pädagogischen Kontexten zur Verfügung gestellt. Bei Auswahlverfahren für pädagogische Berufe kann RIfE als Teilkomponente eingesetzt werden. Das Instrument fokussiert jene individuellen Dispositionen, die sowohl aus der Diskurs- als auch aus der Erfahrungsperspektive als relevant beschrieben werden. Es geht sowohl um die Bereitschaft als auch um die Fähigkeit konkrete pädagogisch relevante Situationen zu reflektieren. Als Kriterien für die Reflexionsarbeit gelten u. a. deskriptive, interpretative, explanative Aussagen, die sich bezüglich der Bewusstheit über den eigenen Beobachterstatus differenzieren lassen. Die Personalauswahl in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern kann unter diesem Fokus das Kriterium der Reflexionskompetenz als zentrale Kompetenz für AkteurInnen beleuchten und ausdifferenzieren. Ziele sind der Einsatz und die Weiterentwicklung dieses Instruments bei BewerberInnen für pädagogische Berufe.
Kontakt: Prof. Dr. Clemens Seyfried
SURE
Das Modell SURE (Subjektive Relevanz) wurde bei Lehramtsstudierenden in der praktischen Ausbildung erprobt, die Ergebnisse der Evaluierung zeigen durchweg positive Effekte. Es handelt sich bei SURE um ein konkretes und klar strukturiertes Vorgehen für die Weiterentwicklung von Handlungskompetenzen in pädagogischen Arbeitssituationen. Die Konzeption erlaubt einerseits eine hohe Selbststeuerung unter Beachtung der Integrität der einzelnen Person, andererseits stellt eine „Fahrplanstruktur“ die klare Vorgangsweise dar. SURE geht davon aus, dass Lösungen für problemhafte Situationen in den AkteurInnen selbst liegen und nur jene Entwicklungsschritte langfristig wirksam sind, die in einem hohen Maß an der Eigenkompetenz der AkteurInnen anknüpfen. Von Interesse in der weiteren Arbeit wird sein, inwieweit dieses Modell von AkteurInnen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern in der konkreten Arbeit als unterstützend erlebt wird und wo Modifikationen im Konzept anstehen.
Kontakt: Prof. Dr. Clemens Seyfried
Schaffung von Kompatibilitäten
Um unversorgte BewerberInnen und suchende Betriebe nachhaltig zusammenzuführen, entwickelt das IfS ein Instrument zur Ursachenforschung für die fehlende Kompatibilität zwischen AusbilderInnen und abgelehnten BewerberInnen sowie abbruchgefährdeten Auszubildenden. Analysiert werden auf empirische Weise die Gründe für ein Ablehnen von BewerberInnen, die realen Kriterien für eine Aufnahme in die Ausbildung, sowie die Ursachen für eine vorzeitige Auflösung des Ausbildungsverhältnisses, sowohl aus Sicht der Betriebe als auch aus der Perspektive der Jugendlichen. Neben der Frage sozialer und beruflicher Basiskompetenzen wird der Migrationshintergrund der BewerberInnen und Auszubildenden in seiner Praxisrelevanz problematisiert.
Anhand der Ergebnisse des entwickelten Instruments wird das IfS maßgeschneiderte Aktionspläne erarbeiten, um erfolglose BewerberInnen und suchende Betriebe nachhaltig zueinander zu bringen. Die Jugendlichen sollen zum einen in denjenigen Kompetenzen gestärkt werden, die als defizitär identifiziert wurden. Zum anderen sollen die BewerberInnen und Auszubildenden mit Migrationshintergrund auf ihre potentiellen natürlichen Stärken sensibilisiert werden. Basierend auf den Ergebnissen der Studie sollen ferner Schulungen für die Betriebe konzipiert und durchgeführt werden, die das Personalwesen und die AusbilderInnen in ihrer Entscheidungsfindung, sowie in ihren interkulturellen, pädagogischen und kommunikativen Kompetenzen stärken und eine diskriminierungslose Betriebskultur aufzubauen helfen sollen.
Kontakt: Dr. Mikolaj Bednarski
Schule ohne Diskriminierung
Diskriminierungen sind im Schulbereich in verschiedenen Konstellationen denkbar. Folgt man der „Schullaufbahn“ ist zunächst die Einschulung bzw. die Aufnahme an einer weiterführenden Schule (z.B. Gymnasium) in den Blick zu nehmen. Im Schulalltag sind Diskriminierungen weiterhin in Form unterbleibender Förderung (z.B. von SchülerInnen, die ein Kopftuch tragen) aber auch von Belästigungen (z.B. im Hinblick auf die Hautfarbe) denkbar. Schließlich kann die Bewertung der SchülerInnen diskriminierende Züge tragen, wenn SchülerInnen trotz gleicher Leistungen unterschiedliche Noten für einzelne Arbeiten oder im Abschlusszeugnis bzw. Empfehlungen für unterschiedliche Schultypen erhalten. Diese denkbaren Diskriminierungsmuster können sich überschneiden und damit in besonderer Weise sichtbar und nachweisbar werden. So etwa, wenn bei der Bildung von Parallelklassen unmittelbar oder mittelbar an die ethnische Herkunft angeknüpft wird. Neben der bereits für sich genommen rechtfertigungsbedürftigen Segregation z.B. nach der Herkunft der SchülerInnen, ihrer Religion, ihrer Muttersprache oder ihren Sprachkenntnissen, ist zu befürchten, dass – entgegen der Behauptung der Schulen – eine adäquate Förderung der SchülerInnen gerade nicht erfolgt und die Klassen vielmehr als „Abstellgleise“ fungieren. Werden Klassen mit einem solchen Stigma belegt, droht nicht nur das Engagement der LehrerInnen zu schwinden, sondern auch die Beurteilung der SchülerInnen darunter zu leiden.
Während das Thema „Diskriminierung an Schulen“ bisher fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem Kopftuchverbot für Lehrerinnen diskutiert wird, soll am IfS untersucht werden, welche Möglichkeiten es für SchülerInnen gibt, sich gegen Diskriminierungen (nicht nur, aber auch) mit den Mitteln des Antidiskriminierungsrechts zu wehren und welche strukturellen Veränderungen erforderlich sind, um institutionelle Diskriminierungen im Bildungsbereich zu überwinden.
Kontakt: Alexander Klose
Kunst
Die Kunst hat mir als Jugendlicher das Leben gerettet. Verloren in der Welt, abgekapselt vom Kontakt mit Menschen, blieb ich in einer Phantasiewelt gefangen, bis ich in der Arbeit als Schauspieler wieder einen Weg zurück ins Leben fand.
Seit dieser Zeit interessiert es mich, als Regisseur mit und bei den Menschen zu arbeiten. Vor 30 Jahren fing ich mit ersten kleinen Inszenierungen im „Marzahn“ von Bern an, es folgten Kunstprojekte mit Jugendlichen im Ghetto von Philadelphia auf einem vermüllten Grundstück zwischen abgebrannten Häusern. In San Francisco habe ich zusammen mit Freunden eine Schule für schwererziehbare Jugendliche gegründet und als Künstler die Entdeckung gemacht, dass viele Jugendliche auch auf eine schiefe Bahn geraten, weil ihre aussergewöhnlichen Talente in unserer Gesellschaftsform keine Beachtung finden. Zehn Jahre später realisierte ich ein Theaterprojekt an einer Hauptschule in Berlin-Kreuzberg. Über diese Arbeit mit jungen Menschen aus sechzehn Nationen habe ich den Bericht „Die Kreuzberger Odyssee“ geschrieben. Zufällig las ihn ein Geschäftsführer eines Wirtschaftsunternehmens und meinte, wenn mir diese Theaterarbeit mit Jugendlichen gelungen ist, dann könnte ich auch mit seiner Geschäftsleitung ein Theaterstück inszenieren.
So landete ich in der Wirtschaft und arbeitete zehn Jahre lang als Künstler mit Hunderten von Managern. Meine Erfahrung über all diese Jahre lehrte mich: Wir Menschen sind uns dem Wesen nach sehr ähnlich. Nur die Kostüme und die Bühnenbilder unterscheiden sich voneinander: Schicke Geschäftsräume vom vermüllten Parkplatz, Statussymbole wie Designer Lederschuhe von den angesagtesten Turnschuhen. Ich sehe und erkenne den Menschen jedoch hinter seinem Kostüm und Bühnenbild und lasse mich nicht durch Müll oder Design von den wesentlichen Fragen ablenken.
Als mich 2007 die Geschäftsleitung der Internationale Bauausstellung in der Lausitz fragte, ob ich gemeinsam mit und bei den Menschen Kunstprojekte realisieren möchte, war ich begeistert. Mit der Kunst dort zu arbeiten, wo sie dringend gebraucht wird, in einer vom Bergbau geschundenen Region, an sieben Orten, auf einem Gebiet von hundert mal achtzig Kilometern Größe!
In drei Jahren haben siebentausend Menschen mitgemacht, mitgedacht, mitgestaltet, mitgefiebert, mitgestritten, mitgeweint und mitgelacht. Gestaunt haben wir alle über das, was uns schließlich nach drei Jahren im Kunstprojekt „Paradies 2“ gelungen ist.
Ich kann mir in Zukunft vorstellen, mit meiner künstlerischen Arbeitsweise Bauprojekte zu realisieren, Landschaften und Stadtparks zu gestalten, politische Konflikte zu lösen und mit Kindern, Jugendlichen, alten Menschen, Profis und Nichtprofis zu choreographieren.
Die Kunst gehört zu jedem Menschen, sie ist eine unerschöpfliche Ressource, ein Lebens- und Heilmittel für tausend Bedürfnisse. Sie leuchtet, wenn sie Kunst ist.
Kontakt: Jürg Montalta
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