Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie


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Verabschiedung von Dr. Hartwig Henke und Ute Hildebrand-Henke aus der Hermann Lietz-Schule

News vom 01.09.2011

Am 3. September 2011 verlassen Dr. Hartwig Henke, Gesellschafter der INA, und Ute Hildebrand-Henke die Hermann Lietz-Schule Spiekeroog. Dazu schreibt Prof. em. Dr. Jürgen Zimmer in einem persönlichen Brief an das Ehepaar:

"Als mich Anfang der achtziger Jahre Hellmut Becker fragte, ob ich jemanden wüsste, der die kurz vor dem Exitus stehende Lietz-Schule auf Spiekeroog retten und sanieren könnte, habe ich geantwortet, ich kenne einen, dem ich das zutrauen würde. Der Rest der Geschichte ist bekannt, und ohne Dich, den Freibeuter Hartwig, der den schulschließungswilligen damaligen Gremien Paroli geboten und die Schule mit hohem Risiko übernommen hat, gäbe es sie nicht mehr und es würde auch keine High Seas High School auf den Weltmeeren segeln.

Ich glaube, Ute, dass zu Deinen Meisterleistungen genau das gehört, was Du auf dem Colloquium der Internationalen Akademie zum Thema 'Pädophilie und Pädagogik' skizziert hast: Wie man in einem Internat – nach dem Leitsatz "Nähe: ja; Grenzüberschreitung: nein" – das Verhältnis von Nähe und Distanz gestalten kann.

Wenn ich in den letzten 25 Jahren nach dem Unterschied zwischen Internaten wie Salem oder Louisenlund und der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog gefragt wurde, enthielt meine Antwort immer zwei Punkte: Erstens sei die HLS die Internatsschule, die das beste Verständnis für Jugendkultur entwickelt habe; und zweitens spiele ein Begriff eine Rolle, der in den Konzepten anderer Schulen eigentlich nicht vorkäme: das Glück der Jugendlichen und auch der Erwachsenen.

Meine Beobachtung war – ob nun in der Rolle als Internatsschüler, Vater einer Internatsschülerin oder Mitglied von Internatsgremien – dass jene Internate, die in den öffentlichen Verlautbarungen mit einem Feuerwerk hehrer Ziele auftreten, aber kein hinreichendes Verständnis für Jugendkultur zeigen, einen besonders hohen Anteil an heimlichem Lehrplan produzieren.

Das rechte Verständnis von Jugendkultur beinhaltet die sorgsame Respektierung von Kinderrechten angesichts des Machtgefälles zwischen Erwachsenen und Kindern. Die Ausnutzung dieses Machtgefälles durch Erwachsene, die Kinder missbrauchen, und die Fehlinterpretation von Jugendkultur hat zu den Katastrophen geführt, mit denen wir uns jüngst auseinanderzusetzen hatten. Wir können Euch beiden und dem ganzen Team nur danken, dass Ihr hier durch kluge Regeln und Achtsamkeit die Kinderrechte über die vielen Jahre wirksam schützen konntet.

Und auf noch einen Punkt, der mir immer wieder auffiel, will ich hinweisen: auf die Verträglichkeit zwischen einer entfalteten reformpädagogischen Praxis und hohen Leistungen in den 'academics', anders ausgedrückt: Die Alternative entweder 'Summerhill' oder 'Paukschule' stimmt nicht. Man kann eine Pädagogik des Abenteuers entwickeln und zugleich für gute Abiturergebnisse sorgen."

In diesem Sinne wünschen wir eine schöne Feier und das Beste für die Zukunft.

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Stand 01.09.2011

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