Springe direkt zu Inhalt

IRAGS

BMBF/PT DLR: "Individual Reading-Associated Genetic Score (IRAGS)" Dauer: 01.10.2010 – 30.09.2013 Projektleiter: Prof. Dr. Arthur Jacobs Mitarbeiter: Projektpartner: Prof. Dr. Hauke R. Heekeren, FU Berlin, Emotionspsychologie und Affektive Neurowissenschaft, Prof. Dr. Ulman Lindenberger, MPI für Bildungsforschung (MPIB), Dr. Lars Bertram, MPI für molekulare Genetik (MPIMG), Neuropsychiatrische Genetik, Dr. Johannes Ziegler (ab 01.08.2009 AvH Gastwissenschaftler an der FU Berlin), Université Aix-Marseille

 

Beim Projekt handelt es sich um einen Antrag im Rahmen des BMBF Förderprogramms: “Ursachenbezogene individuelle Diagnostik und Intervention bei umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten”

 

Lernstörungen sind die häufigsten und am stärksten genetisch bedingten Entwicklungsprobleme der Kindheit und sie können beträchtliche Auswirkungen auf den weiteren Lebenslauf haben. Wenn es gelingt, die Rolle der genetischen Faktoren zu klären, die den vererbbaren Anteil individueller Unterschiede – im Wechselspiel mit Umweltfaktoren – vermitteln, so könnte die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Lernproblemen noch vor der Einschulung bestimmt und dementsprechend frühe und erfolgversprechende psychopädagogische und medizinische Gegenmaßnahmen ergriffen werden (vgl. Plomin & Kovas, 2005). Dies gilt insbesondere für Störungen im Bereich des Lesens, Schreibens und Rechnens, für die eine erfolgreiche individuelle, ursachenbezogene Diagnostik und evidenzbasierte Förderung sich nur aus empirischen Studien ableiten lässt, die sowohl die genetischen als auch die neuronalen, behavioralen und soziokulturellen Wirkfaktoren angemessen berücksichtigen (Goswami, 2008; Shaywitz & Shaywitz, 2005). Fisher und Francks (2006) betonen dies in ihrem rezenten Übersichtsartikel am Beispiel des Lesens: “Dissection of cognitive mechanisms that subserve reading will ultimately depend on an integrated approach, uniting data from genetic investigations, behavioural studies and neuroimaging” (Fisher & Francks, 2006, S. 250).

 

Lesen als eine der größten Errungenschaften der menschlichen Zivilisation und eine der größten Lernleistungen des menschlichen Gehirns stellt die Forschung vor ein gewisses Paradox: Dem guten erwachsenen Leser erscheint diese für den modernen Arbeits- und Freizeitalltag oft unentbehrliche mentale Tätigkeit fast als zur natürlichen Ausstattung gehörend, die man spielend leicht erlernen und ausüben kann. Andererseits schafft eine steigende Anzahl von Kindern und Jugendlichen es trotz mühevollen, jahrelangen Trainings in Schule und Alltag nicht, diese Fertigkeit hinreichend (d.h. bis zum flüssigen, mühelosen Lesen) zu erwerben.

Die moderne Lese- und Dyslexieforschung hat in den letzten Jahren erkannt, dass ein umfassendes Verständnis der außerordentlichen Kulturleistung und höchst komplexen mentalen Aktivität, die Lesen darstellt, nur im multimethodischen Verbund zu erreichen ist, der die neurogenetischen, neurokognitiven und behavioralen Komponenten mit soziokulturellen Faktoren des Leseprozesses multikausal integriert. Im Projekt wird eine Kombination aus genanalytischen und bildgebenden Verfahren eingesetzt. Die Befunde sollen die Grundlagen legen für ein umfassenderes Verständnis der Lesefertigkeit und für eine neue, auf dem „imaging genetics“ Ansatz fußende, ursachenbezogene Diagnostik und Behandlung von Lesestörungen, die auf individuellen Fertigkeitsprofilen basiert.