Schon mal Zahnseide probiert?

18.08.2015

Auf den Zahn gefühlt

Auf den Zahn gefühlt

Ralf Schwarzer

Tägliches Zähneputzen ist selbstverständlich, aber reicht es wirklich aus, nur die Zahnbürste zu verwenden? Für eine gute Pflege empfehlen Zahnärzte, außerdem auch Zahnseide oder Interdentalbürstchen zu verwenden. Aber viele Leute wissen es nicht, oder es interessiert sie nicht. Viele andere wissen es, können sich aber nicht dazu entscheiden, den zeitlichen Mehraufwand zu leisten und zur Gewohnheit zu machen.

KANN DIE PSYCHOLOGIE HELFEN?

Bevor wir drei neue Studien vorstellen, sind ein paar Sätze über Motivation und Handeln nötig. Die Gesundheitspsychologen an der Freien Universität Berlin befassen sich nicht nur mit der Motivierung zu einem Gesundheitsverhalten, sondern auch mit der praktischen Umsetzung von guten Absichten in tatsächliches Handeln. Zwei wichtige Faktoren beeinflussen diesen Prozess: 1) die Überzeugung, etwas aus eigener Kraft verändern zu können (die Selbstwirksamkeitserwartung), und 2) die Organisation der Veränderung durch strategisches Planen und systematische Verhaltensbeobachtung (das Selbstmanagement). Dies gilt für viele Verhaltensweisen. Um Menschen zu einer Veränderung ihrer Zahnpflege zu bewegen, kann es schon ausreichen, ihnen diese Prinzipien durch ein paar kleine Übungen zu vermitteln.

DIE MOTIVATION UND DAS VERHALTEN UNTERSTÜTZEN IN NUR 15 MINUTEN

Das Berliner Programm zur Verbesserung der Zahnpflege sieht so aus: die Versuchspersonen erhalten ein Gratispäckchen Zahnseide oder Interdentalbürstchen; dazu eine 2-3 seitige Übungsbroschüre. In ein paar Sätzen wird erklärt, wozu dies gut ist. Dann erhalten die Personen Gelegenheit, sich selbst alle Vorteile davon auszudenken und aufzuschreiben. Im nächsten Schritt erfahren sie, was andere Personen (Rollenmodelle) dazu gesagt haben. Dann wird ein konkreter Wann-Wo-Wie-Plan zur Zahnpflege aufgestellt, und schließlich gibt es einen Kalender, in den die Personen täglich eintragen, wie sie ihre Zähne gepflegt haben.

EXPERIMENTE IN POLEN, CHINA & INDIEN

Diese Vorgehensweise wurde experimentell in drei Ländern bei einigen Hundert Studenten erprobt. Das Vorgehen war zwar in den drei Studien nicht identisch, aber wir beschränken uns hier nur auf die wesentlichen Forschungsbefunde. Die Personen wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Hälften aufgeteilt: die Experimentalgruppe, die das oben genannte Programm erhielt, und die aktive Kontrollgruppe, die statt dessen eine motivationsfördernde Aufklärungsbroschüre über Zahnpflege erhielt. Zwei bis drei Wochen später wurde ein Nachtest durchgeführt, in dem die Probanden in detaillierter Weise über ihre Einstellungen und Zahnpflegeverhaltensweisen schriftlich anhand von Skalen berichteten. Beide Gruppen erhielten das Gratispäckchen Zahnseide oder Interdentalbürstchen.

War diese sparsame Maßnahme erfolgreich?

Es gab einen bedeutsamen Anstieg in der Benutzung von Zahnseide oder Interdentalbürstchen in beiden Gruppen, was nicht überrascht, weil sie ja beide die Gratispackung erhalten haben. Aber in der Experimentalgruppe war der Anstieg höher, was auf die psychologischen Konzept zurückgeführt werden kann, die in das Programm eingebaut waren. Wichtiger als der Anstieg im Verhalten ist für die Forschung die Frage, welche Rolle diese Konzepte gespielt haben mögen.  Dies war in den drei Ländern unterschiedlich. Gemeinsam ist aber, dass Selbstwirksamkeitserwartung, strategische Planung oder systematische Verhaltensbeobachtung sich bei den Analysen als wirksame Programmelemente erwiesen haben.

Unsere polnische Studie finden Sie hier

Unsere chinesische Studie finden Sie hier

Unsere indische Studie finden Sie hier


Disease in Human Aging: Dynamics at the Level of Molecules, Individuals, and Society