Springe direkt zu Inhalt

Mechanismen intuitiver Informationsverarbeitung bei PatientInnen mit Depression (MINT)

Intuitiv zu urteilen oder zu entscheiden bedeutet "aus dem Bauch heraus" etwas zu wissen oder zu erahnen, ohne die Gründe dafür nennen zu können (Knowing without knowing how one knows). Die zugrundeliegenden Prozesse basieren auf Erfahrung, laufen schnell und unbewusst ab, und ermöglichen eine mühelose Integration vieler relevanter Aspekte zu einem kohärenten Ganzen. Beispielsweise sind Personen mit überzufälliger Wahrscheinlichkeit in der Lage, semantische Kohärenz zu „erahnen“ (z.B. Tief Salz Gischt; gemeinsamer Nenner: Meer) und diese von Inkohärenz und Zusammenhangslosigkeit zu unterscheiden (Traum Ball Buch; kein gemeinsamer Nenner). Dies gelingt Personen schnell, intuitiv und akkurat durch unbewusste Integrationsprozesse, auch wenn eine explizite Einsicht, worauf dieses Wissen oder Gefühl basiert, (noch) nicht besteht. Während "normalerweise" und insbesondere während positiver Stimmung solche vagen – intuitiven – Phänomene menschliches Denken, Entscheiden und Handeln leiten, fällt während einer Depression das Treffen von Entscheidungen schwer - nichts fühlt sich wirklich richtig an. Es herrscht ein enger, grüblerischer Denkstil vor, der einem intuitiv-integrierenden Denkstil gegenüber zu stehen scheint. Sind Menschen während einer Depression also weniger intuitiv? Dass intuitive Prozesse der Informationsverarbeitung während einer Depression eingeschränkt sind, konnte bereits in ersten Studien gefunden werden. In diesem Projekt sollen die zugrundeliegenden Mechanismen der Beeinträchtigung näher untersucht werden, um herauszufinden, an welcher Stelle das intuitive Vorgehen während einer Depression "hakt". Die aus der Grundlagenforschung bekannten kognitiv-affektiven Korrelate intuitiver Urteile (z.B. kognitive Leichtigkeit, Affekt) werden im Labor experimentell manipuliert. Hiermit wird überprüft, wie das Vorliegen einer Depression die intuitive Informationsverarbeitungsmechanismen beeinflusst.
 

Kooperationspartner*innen


 

Ansprechpartner*in


 

Publikationen


Remmers, C., Topolinski, S., Buxton, A., Dietrich, D. E., & Michalak, J. (2016). The beneficial and detrimental effects of major depression on intuitive decision-making. Cognition and Emotion, 1-7. doi: 10.1080/02699931.2016.1154817 

Remmers, C., & Michalak, J. (2016). Losing Your Gut Feelings. Intuition in Depression. Frontiers in Psychology, 7: 1291. doi:10.3389/fpsyg.2016.01291

Remmers, C.,Topolinski, S., Dietrich, D. E., & Michalak, J. (2015). Impaired intuition in patients with major depressive disorder. British Journal of Clinical Psychology, 54(2), 200-213. doi:10.1111/bjc.12069