Aus dem Bereich Lehrqualifizierung: Vom Modell der Lehrkompetenz zum Qualifizierungsprogramm für die Lehre

16.02.2016

Bildquelle: clipdealer

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Was steckt eigentlich hinter dem Angebot der Lehrqualifizierung an der Freien Universität Berlin? Was lernen die Nachwuchswissenschaftler/innen, um sich für die Lehre zu qualifizieren und wie sind die Lerngelegenheiten des hochschuldidaktischen Programms gestaltet? Ein Blick in das Grundlagenmodul von SUPPORT für die Lehre veranschaulicht, wie der Erwerb von Lehrkompetenz umgesetzt werden kann.

Lebhaft diskutieren die Teilnehmenden eines Kurses im Grundlagenmodul von SUPPORT für die Lehre in kleinen Gruppen, wie sie Studierende zur Textarbeit motivieren können. Es gibt dazu viele Ideen: von der Vermittlung von Lesestrategien über das Formulieren von Fragen zum Text als Hausaufgabe bis zum Einrichten von Lesezirkeln. Anschließend kommen alle Kursteilnehmer/innen im Plenum zusammen und die Ideen werden gesammelt und auf Flipchart festgehalten. In der Diskussion der Praktikabilität der Vorschläge stellt das jeweilige Selbstverständnis als Lehrende/r einen wichtigen Bezugspunkt dar. Jemand wirft die Frage auf, inwieweit man sich als Lehrende/r eigentlich dafür verantwortlich fühlen sollte, dass die Studierenden selbstständig arbeiten. Es bestehen konträre Ansichten und die Teilnehmer/innen nehmen Bezug auf die verschiedenen Rollen, die sie als Lehrende wahrnehmen können: Wissensvermittlung, Moderation oder Lernbegleitung. Einige sehen ihre Aufgabe vornehmlich in der Gestaltung eines Lernangebots, das die Studierenden selbstverantwortlich nutzen. Andere argumentieren, dass die Studierenden motiviert werden müssen, sich auch außerhalb der Veranstaltung mit den Lehrinhalten auseinanderzusetzen und Lehrende entsprechende Anreize zum selbstständigen Arbeiten setzen sollten. Die Gruppe stimmt überein, dass es für Studierende motivierend wirkt, wenn selbstständiges Arbeiten als ein Kriterium bei der Bewertung der Kursleistung Berücksichtigung findet. Die Arbeitsphase im Grundlagenmodul endet mit dem Erarbeiten einer Liste an Maßnahmen, die dazu getroffen werden können.

Zur Selbsttätigkeit anregen und Ermutigen und Selbstwirksamkeit stärken sind zwei von insgesamt 15 Subdimensionen des an der Freien Universität Berlin entwickelten Modells der Lehrkompetenz. Dieses Modell, das drei fachübergreifende Kompetenzbereiche des Lehrens abbildet, ist Grundlage des hochschuldidaktischen Qualifizierungsprogramms SUPPORT für die Lehre. Zur optimalen Unterstützung von Lernprozessen sind demnach neben dem Fachwissen die folgenden Kompetenzen relevant: Vermittlung von Wissen und Unterstützen von Verstehen, Motivieren und lerndienliche Atmosphäre herstellen sowie Steuerung der Interaktion in der Lerngruppe. Zentrale Aufgabe einer hochschuldidaktischen Qualifizierung ist es, die theoretisch modellierte Lehrkompetenz in ein Programm zu übersetzen, das den Erwerb handlungsfähigen Wissens für die universitäre Lehre ermöglicht. Der Blick in das Grundlagenmodul zeigt exemplarisch, wie das Qualifizierungsprogramm des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Lehre konzipiert ist. Anstelle einer expliziten Vermittlung von Lehr-/ Lerntheorien arbeiten die Trainer/innen mit einem Angebot an Methoden, mit denen die Teilnehmer/innen ihr didaktisches Handlungsrepertoire erweitern können. Kern des Qualifizierungskonzeptes ist die aktive anwendungsorientierte Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrkompetenz. Die didaktischen Methoden werden nicht als allgemeingültige Lösungen vermittelt. Vielmehr sind die Teilnehmer/innen während der Veranstaltungen dazu aufgefordert, die Übertragbarkeit der Lerninhalte auf ihre eigene Lehre zu prüfen und zwischen den Veranstaltungsteilen die Methoden in ihrer Lehrpraxis dem Bedarf entsprechend zu adaptieren. Damit wird dem fachbereichsübergreifenden Charakter des Angebots Rechnung getragen.

Für einen detaillierten Einblick in die Entwicklung und Evaluation des hochschuldidaktischen Programms SUPPORT für die Lehre:

Heinrich, G.; Bergann, S. & Blüthmann, I. (2015). Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Lehre – Entwicklung und Evaluation eines hochschuldidaktischen Programms. In: W. Benz, J. Kohler, P. Pohlenz & U. Schmidt (Hrsg.), Handbuch Qualität in Studium und Lehre, E2.11, 54 (S. 27-57), Berlin: Raabe-Verlag.