Aus dem Bereich Lehrqualifizierung: Die Onlineplattform SUPPORT für die Lehre. Ein digitales Unterstützungsangebot für Lehrende der Freien Universität Berlin

Julia Prausa

22.02.2019

An vielen Hochschulen wurden in den letzten Jahren digitale Unterstützungsangebote (z.B. Blogs, Wikis, Portale und Plattformen) für Lehrende entwickelt. Als Formate des selbstgesteuerten und kooperativen Lernens stellen diese in der Hochschuldidaktik inzwischen eine wichtige Ergänzung traditioneller Präsenz-Umgebungen (z.B. Workshops, Kleingruppenformate, individuelle Beratung) dar. Auch das Projekt SUPPORT für die Lehre hat eine eigene Onlineplattform erstellt, welche von den Lehrenden der Freien Universität genutzt werden kann. Mit dem Angebot sollen Reflexivität und kollegialer Austausch unter Lehrenden gefördert sowie Ideen, Konzepte und Erfahrungen guter Hochschullehre sichtbar gemacht werden.  

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Computerunterstützende Lernsysteme wie Lernplattformen, Lernportale, Wikis oder Blogs sind an Universitäten und Hochschulen zur Organisation von Studium und Lehre nicht mehr wegzudenken. Die unterschiedlichen Softwares werden dabei häufig zur Verwaltung von Studierenden genutzt (Anmeldungen, Notenvergabe, etc.) oder didaktisch in Lehrveranstaltungen eingebunden, um studentische Lernprozesse zu fördern, Lehrprojekte zu organisieren, Lernergebnisse zu sichern, komplexe Sachverhalte zu vermitteln oder um die Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden zu erleichtern. Auch in der Hochschuldidaktik haben digitale Lernräume an Bedeutung hinzugewonnen. Insbesondere im Zuge des Hochschulpaktes sowie des Qualitätspakts Lehre wurden zahlreiche Projekte zur Entwicklung und Implementierung digitaler Plattformen zur informellen Weiterbildung von Lehrenden realisiert. Hochschuldidaktische Einrichtungen setzen diese ein, um - unabhängig von, verknüpft mit oder in Ergänzung zu bewährten Lehrqualifizierungsprogrammen - einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung und -sicherung der Hochschullehre zu leisten. Je nach Format, Nutzungsoffenheit und inhaltlicher Ausrichtung werden mit den virtuellen, sich ausschließlich an Lehrpersonen richtenden Angeboten jedoch höchst unterschiedliche Ziele verfolgt. Beim hochschuldidaktischen Infoportal www.einfachlehren.de der Technischen Universität Darmstadt beispielsweise können sich Hochschullehrende aller Disziplinen deutschlandweit mit Fachartikeln und Selbstlernmaterialien zu unterschiedlichen Fragen des Lehren und Lernens versorgen und sich dadurch zeitlich flexibel Anregungen zur Umsetzung in der eigenen Lehre holen. Während bei diesem Konzept die strukturierte Darstellung und Bereitstellung hochschuldidaktischer Inhalte und Methoden im Vordergrund stehen und das Lernen quasi „frontal“ organisiert ist, rückt mit der Onlineplattform www.lehrideen-vernetzen.de für Lehrende der Hochschule Mainz und Johannes Gutenberg-Universität Mainz der Ansatz der Vernetzung und des Peer-Lernens stärker in den Fokus. Denn im Sinne eines sozialen Netzwerkes gestalten die Lehrenden hier das Angebot größtenteils selbst aktiv mit, indem diese Beiträge erstellen, mit Kolleg*innen Lösungsmöglichkeiten für didaktische Herausforderungen in Lehrveranstaltungen diskutieren sowie zu innovativen Lehrkonzepten in einen kollegialen Austausch miteinander treten können. Die Interaktion der Lehrenden bleibt darüber hinaus nicht nur auf den virtuellen Raum beschränkt, sondern wird mit Möglichkeiten, an Präsenzformaten wie kollegialen Lehrhospitationen, Barcamps, Tagungen und Workshops teilzunehmen, verknüpft. Mit dieser Synergie zwischen Online- und Offline-Angeboten sollen tiefergehende Kooperationen zwischen Lehrenden angeregt werden, um den Transfer innovativer Lehrideen und Lehrprojekte sicherzustellen.  

Auch das Projekt SUPPORT für die Lehre hat mit Beginn der zweiten Förderperiode 2018 eine Onlineplattform aufgebaut, die sich speziell an die Lehrenden der Freien Universität richtet und zum kollegialen Austausch und zur Vernetzung anregen sowie innovative Projekte guter Hochschullehre sichtbar machen soll. Die in Wordpress angelegte Onlineplattform vereint verschiedene Elemente des selbstgesteuerten und kooperativen Lernens, indem Lehrende sowohl Gelegenheit erhalten, sich autonom und zeitlich flexibel Inspirationen und Anregungen für die eigene Lehre zu holen als auch darin angeleitet werden, sich stärker untereinander zu vernetzen, zu Fragen rund um das Thema Hochschullehre auszutauschen und sich wechselseitig Feedback zu geben. Ein wesentlicher Bestandteil der Onlineplattform stellt die Dokumentation innovativer Lehrprojekte dar. Die innovativen Vorhaben wurden im Rahmen der Lehrqualifizierung (d.h. des Zertifikatprogramms oder einer finanziellen Förderung) an der Freien Universität von Lehrenden geplant, durchgeführt und in einem Bericht dokumentiert und reflektiert. Die Dokumente wurden nach Fachbereichen, Themenfeldern und Veranstaltungsformaten codiert und können so von den Nutzern gezielt gefiltert werden. Zudem wurden aus den Originalberichten der Lehrenden allgemeine Lehrkonzepte und -methoden abgeleitet und beschrieben, die bei Bedarf in eigenen Lehrveranstaltungen ausprobiert werden können. Mit der Dokumentation der Lehrprojekte, deren Pool weiter gepflegt und vergrößert wird, soll der Transfer innovativer Lehrideen innerhalb der Freien Universität gefördert und die Akzeptanz didaktischer Methoden und Konzepte in der Hochschullehre erhöht werden. Ein weiterer wichtiger Bereich der Onlineplattform wird von einer kollegialen Hospitationsbörse eingenommen. In kollegialen Hospitationen besuchen sich Lehrende gegenseitig in deren Lehrveranstaltungen und geben je nach Bedarf konstruktiv Rückmeldungen, z.B. zur Umsetzung eines Lehrkonzepts, zum Einsatz didaktischer Methoden, zu Formen der Leistungsüberprüfung oder zum persönlichen Verhalten und Auftreten der Lehrperson. Im Rahmen des Zertifikatprogramms der Lehrqualifizierung nehmen Lehrende bereits zweimal an kollegialen Hospitationen teil (im Grundlagenmodul und im Lehrprojekt). Das Ziel der kollegialen Hospitationsbörse auf der Onlineplattform besteht nun darin, Lehrende der Freien Universität auch unabhängig vom Zertifikatprogramm mit dem Konzept und dem Verfahren der kollegialen Hospitation vertraut zu machen und diesen die Gelegenheit zu geben, in einem strukturierten und geschützten Rahmen den Lehralltag von Kolleg*innen mitzuerleben, unterschiedliche Fachkulturen, Lehrformate und -persönlichkeiten kennenzulernen sowie Anregungen zur Konzeption und Gestaltung eigener Lehr-Lernprozesse mitzunehmen. Das Onlinetool der kollegialen Hospitationsbörse stellt das Konzept der kollegialen Hospitation detailliert vor, unterstützt mit einem Anmeldeformular interessierte Lehrende bei der Suche nach (thematischen) Hospitationspartnern und stellt einen Reflexionsleitfaden für die Durchführung der kollegialen Hospitation(en) zur Verfügung. Neben dem Bereich der Lehrprojektberichte sowie der kollegialen Hospitationsbörse enthält die Onlineplattform schließlich einen Bereich mit einer Sammlung aktueller Literaturhinweise zu allen hochschuldidaktischen Themenfeldern, zu denen sich Lehrende an der Freien Universität auch im Rahmen der Lehrqualifizierung weiterbilden und austauschen. Die weiterführende Literatur soll Lehrenden als wertvolles Hilfs- und Informationsmaterial dienen, um die eigene Lehrveranstaltung gezielt planen, vorbereiten und durchführen zu können sowie die eigene Lehrkompetenz selbstständig weiterzuentwickeln und die eigene Rolle als Lehrperson zu reflektieren.

Perspektivisch ist geplant, die Onlineplattform inhaltlich auszubauen und die Lehrenden stärker in deren Gestaltung einzubinden mit dem Ziel, die kollegiale Vernetzung und den regelmäßigen Erfahrungsaustausch zum Thema Hochschullehre im Sinne einer wachsenden Community of Practice weiter zu befördern.

Zur Onlineplattform SUPPORT für die Lehre gelangen Sie hier.