Aus dem Bereich Evaluation: Studienbedingungen im zeitlichen Trend

Irmela Blüthmann und Rainer Watermann

21.08.2017

Studentische Einschätzungen von Studienangebot und Studienbedingungen werden an der Freien Universität Berlin im Rahmen des Qualitätsmanagements in regelmäßigem Turnus über Befragungen erhoben. Welche Entwicklungen lassen sich für die Bachelorstudiengänge im zeitlichen Vergleich der Ergebnisse der Studierendenbefragungen aus den Jahren 2010 und in 2015 ablesen?

Studierende im Bachelorstudium wurden im Sommersemester 2015 um eine Einschätzung ihres Studiums an der Freien Universität Berlin gebeten. Diese Urteile wurden mit denen der 2010 befragten Studierenden verglichen. Mit Hilfe von Varianzanalysen wurde untersucht, ob signifikante Veränderungen in den Bewertungen der Studienangebote und Studienbedingungen im zeitlichen Verlauf vorliegen. Für viele Indikatoren der Qualität von Studium und Lehre zeigt sich über alle Fachkulturen hinweg ein positiver Trend (vgl. Abbildung 1). Die größten Verbesserungen finden sich in den Urteilen zum Studienaufbau und zum Studienbestandteil der Allgemeinen Berufswissenschaft (ABV). Die meisten weiteren Unterschiede sind eher klein, aber nahezu alle weisen in eine positive Richtung: Neben Verbesserungen in der Lehr- und Betreuungsqualität zeigen sich auch in Bezug auf die wahrgenommene inhaltliche Kohärenz der Lehrveranstaltungen innerhalb von Modulen, die Bewertungen der Studieneingangsphase (in Bezug auf die Betreuung sowie die Vermittlung relevanter Grundlagen für das Studium) sowie die subjektiven Einschätzungen des Erwerbs von Fachwissen im Studium kleine positive Effekte. Weiterhin sind Probleme mit der Passung des Workloads in den Bachelorstudiengängen über die Zeit tendenziell zurückgegangen. So kommen Studierende 2015 seltener als 2010 zu der Einschätzung, dass ihr tatsächlicher zeitlicher Studienaufwand den veranschlagten übersteigt und sie geben seltener an, dass es innerhalb der Kernfachmodule sehr unterschiedlich ist, welchen Zeitaufwand sie für einen Leistungspunkt investieren müssen. Lediglich der Rückgang der Studienzufriedenheit stellt ein negatives Ergebnis dar. Dieser Effekt ist allerdings statistisch kaum von Relevanz.

Mittelwertunterschied

 Abbildung 1: Fächergruppenübergreifende Trends in den Einschätzungen der Studienbedingungen

Für einige weitere Qualitätsindikatoren ist der positive Trend nicht in allen Fachkulturen oder aber nicht in allen gleichermaßen erkennbar: So sind die Einschätzungen zur Organisation der Prüfungstermine 2015 in den Sozialwissenschaften und in den Geistes- und Kulturwissenschaften deutlich besser als 2010, während sie in den Naturwissenschaften fast unverändert geblieben sind (vgl. Abbildung 2a). Weiterhin zeigen sich Verbesserungen in der Wahrnehmung der inhaltlichen Kohärenz der zu einem Modul zusammengefassten Lehrveranstaltungen in den Sozial- und in den Geistes- und Kulturwissenschaften. In den Naturwissenschaften sind die Urteile diesbezüglich 2015 weniger positiv als noch 2010 – liegen aber dennoch weiterhin über den Urteilen in den anderen beiden Fächergruppen (vgl. Abbildung 2b).

Abbildungen 2a und b: Fächergruppenspezifische Trends in den Einschätzungen der Studienbedingungen

Diese Ergebnisse sind insgesamt – insbesondere vor dem Hintergrund des in diesem Zeitraum weitgehend abgeschlossenen Prozesses der Systemakkreditierung – sehr erfreulich. Sie legen die Interpretation nahe, dass die auf struktureller Ebene erfolgten Veränderungen zu positiveren Urteilen der Studierenden geführt haben können. Allerdings stellt sich auch die Frage, ob Unterschiede in den Bewertungen der Studienbedingungen im Zeitverlauf möglicherweise darauf zurückzuführen sein könnten, dass sich die Studierenden, die 2015 befragt wurden, bereits in ihren Eingangsvoraussetzungen von den Studierenden unterscheiden, die 2010 befragt worden sind?

Die soziodemographischen Angaben, um die Studierende im Rahmen dieser Evaluationen gebeten wurden, zeigen, dass sich im Zeitraum zwischen 2010 und 2015 die Lebenssituation der Studierenden in den Bachelorstudiengängen (Anteil Studierender mit Kindern, Umfang studienbegleitender Erwerbstätigkeit) sowie ihre Noten der Hochschulzugangsberechtigung nicht nennenswert verändert haben. Allerdings ist der Anteil Studierender mit Migrationshintergrund in den Bachelorstudiengängen 2015 im Vergleich zu 2010 um fünf Prozentpunkte größer und der Anteil der Bildungsaufsteiger(innen), d.h. Studierender, deren beide Eltern kein Hochschulstudium absolviert haben, ist im Vergleich zu 2008 (hierzu liegen aus 2010 keine Daten vor) um acht Prozentpunkte zurückgegangen. Um die Frage zu beantworten, ob die Zusammensetzung der Studierendenschaft in Bezug auf Bildungs- und Migrationshintergrund einen Einfluss auf die Beurteilung der Studienbedingungen hat, wurden zunächst Analysen unter zusätzlicher Kontrolle des Migrationshintergrundes gerechnet. Die Ergebnisse zeigen, dass Studierende mit Migrationshintergrund in einigen der erfassten Aspekte zu anderen Einschätzungen kommen als Studierende ohne Migrationshintergrund: Studierende mit Migrationshintergrund bewerten das Studienklima etwas negativer, kommen häufiger zu der Einschätzung, dass ihr tatsächlicher Workload den veranschlagten übersteigt, berichten eine geringere Studienzufriedenheit und nehmen positivere Einschätzungen der ABV vor. Mit Ausnahme des Effekts des Migrationshintergrundes auf die Studienzufriedenheit erklären diese Unterschiede jedoch nicht die gefundenen Veränderungen zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten. Für den Bildungshintergrund (Datengrundlage ist hier der Datensatz aus 2015, da der Bildungshintergrund 2010 nicht erhoben wurde) zeigt sich lediglich ein Einfluss auf die Workload-Einschätzungen: Bildungsaufsteiger(innen) kamen etwas häufiger zu der Einschätzung, dass ihr tatsächlicher Workload den veranschlagten übersteigt als Studierende aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil einen Hochschulabschluss erreicht hat. Die positiveren Einschätzungen der Studienangebote und Studienbedingungen (vgl. Abbildung 1) sind also weitgehend unabhängig von der Zusammensetzung der Studierenden in Bezug auf die erfassten soziodemographischen Merkmale.

Weitere Befunde können dem Ergebnisbericht der Bachelorbefragung 2015 entnommen werden.