Gesundheitsbezogene Bachelor und Masterstudiengänge

Gesundheitsbezo­gene Bachelor und Masterstudien­gänge

Burkhard Gusy Master of Public Health, of Science in Business Ad­minis­tration, of Nursing and Ad­ministration, of Science in International Health, of in­terprofessional health and community care sind eini­ge Titel, die im Anschluss an ein gesundheits­bezogenes Studium an Hochschulen vergeben werden. Die derzeitigen Berufschan­cen gelten überein­stim­mend als gut. Die Perspek­tiven werden stark davon be­stimmt sein, ob es den Aus­bil­dungsan­bietern gelingt marktfähige Qualifika­tionen zu vermit­teln und dieses gegenüber poten­ziellen Arbeitgebern trans­parent zu machen.

„Das Gesundheitswesen in Deutschland – Kos­tenfaktor und Zukunftsbranche heißt ein Son­dergutachten des Sachverständigenrats für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen aus dem Jahre 1996 in dem die Wachstumspoten­ziale des Gesundheitswesens thematisiert wer­den. Dieser Teilarbeitsmarkt beschäftigt nach Angaben verschiedener Autoren zwischen 3 und 4,1 Millionen Be­schäftigte, die neben direkten medi­zinischen und pflegerischen Dienstleistungen am Patienten auch andere Aufgaben wahrnehmen (z.B. Gesundheitsgüter entwickeln, herstellen oder mit diesen handeln; neue Versorgungs­formen entwickeln etc.). Seit 1970 ist ein starkes Beschäftigungswachstum in diesem Marktsegment zu verzeichnen, das weiterhin anhält (Public Health Forum 34, 2002). Diese Erweiterung ist nicht nur quanti­tativer sondern auch qualitativer Art und zeigt sich z. B. in:

  • §    zunehmender Ausdifferenzierung und Spezi­alisierung etablierter Gesundheitsberufe
  • §    Verschmelzung bisheriger Ausbildungen (z.B. Modellversuche zu gemeinsamer Grund­ausbildung von Pflegefachkräften für ver­schiedene Bereiche)
  • §    neuen Aufgabenbereichen (wie Gesundheits­förderung, Umweltmedizin, Public Health).

Hinzu kommen zahlreiche administrative Be­mühungen das Gesundheitssystem zu refor­mie­ren (Gesetzesinitiativen, Fachkommissionen etc.) die auf Veränderungen des Systems insge­samt und in Folge auch auf Quali­fikations­anfor­derungen an dort beschäftigte Fachkräfte zie­len. Immer mehr sich differenzie­rende Aus­bil­dungs­angebote an Hochschulen, an Schulen des Gesundheits­wesens und bei (nicht-) kom­mer­ziellen Ausbildungsträgern versuchen die­sen Bedarf zu decken. Berufsbil­der und poten­zielle Arbeits­felder sind auf Grund der derzeiti­gen Dynamik im Gesund­heitssystem erst sche­menhaft erkennbar. Für die Ausbildungsträger birgt diese Situation die Gefahr am Markt vor­bei zu qualifizieren, da keineswegs immer gesi­chert ist, dass die vermit­telten Fach­kompe­ten­zen auf dem Arbeitsmarkt auch nachgefragt werden Das Risiko tragen die Absolventen ebendieser Studiengänge, die in eine Ausbil­dung investieren, deren Zugewinn im ungün­stigsten Fall gleich Null ist. Ungleich häufiger als in anderen Bereichen weisen die Ausbil­dungs­trä­ger den Bedarf an der von ihnen angebotenen spezifischen Qualifi­kation durch (retrospektive) Absolventenbefra­gungen nach und belegen unisono gute Berufschancen ihrer Absolventen. Prognosen der Berufs­chancen derzeitig in Ausbi­ldung befindlicher Fachkräfte für das Gesundheitswesen sind –was nicht verschwiegen werden sollte- auf Grund des Marktwandels des Ausbildungs- und des Ar­beitsmarktes mit Risiken behaftet.

30 gesundheitsbezogenen Studienangeboten Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahr­tausends stehen derzeit knapp 300 grund­ständige und weiterqualifizierende Ange­bote an Hochschulen gegenüber mit neuen thema­tischen Schwerpunkten und Zielgruppen (z.B. Gesundheitskommunikation an der Universität Bielefeld), die im Wettbewerb zu einander stehen.

Diese nicht nur für potenzielle Arbeitgeber un­durchsichtige Situation soll durch Qualitäts­sicherung und besondere Anerkennungs­ver­fahren direkt bei der Einrichtung dieser Studien­gänge aufgefangen werden. Hierzu wurde eine Akkreditierungsagentur für Studien­gänge im Bereich Heilpädagogik, Pflege, Gesund­heit und Soziale Arbeit (AHPGS) mit Sitz in Freiburg ein­gerichtet, die für Transparenz sorgen soll. Einer von 34 bei Kälble (2001) gelisteten Studien­gän­ge macht von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Festzuhalten bleibt an dieser Stelle, dass in den letzten zehn Jahren eine beein­drucken­de Vielzahl innovativer Weiterbildungs­angebote an Hochschulen entwickelt wurde, die die Heraus­forderungen eines sich verändernden Arbeits­marktes für Fachkräfte im Gesundheitswesen aufgreifen und darauf bezogene Fachkompe­tenzen vermitteln. Die nachweislich guten Be­rufschancen (bisheriger) Absolventen bestä­tigen diese Entwicklung. Ob die Aufnahme­fähigkeit des Arbeitsmarktes mit den steigenden Ausbildungskapazitäten Schritt hält, ist derzeit offen. Eine Binnendifferenzierung zwischen den Angeboten tut not, die nicht nur Interessenten sondern ebenso potenziellen Arbeitgebern eine gut Orientierung über Qualifikationsprofile und Einsatzmöglichkeiten der Absolventen bietet.

IPG-Newsletter Gesundheitsfoerderung 01/03 (22. Jan. 03)