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Gesundheitskommunikation

Gesundheits­kommunikation

Burkhard Gusy Vertrauen sie nicht darauf, was Sie in Gesundheits­büchern und Diätratgebern lesen. Sie könnten an einem Druckfehler sterben (Marc Twain).
  • Gesundheitskommunikation ist ein inter­disziplinäres Anwendungsfeld  von Gesund­heits- und Kommunikationswissen­schaftlern, das in der Bundesrepublik Deutschland zuneh­mend Aufmerksamkeit erlangt. Hiervon zeugt der von der Fakultät für Gesundheitswissen­schaften der Universität Bielefeld gerade ge­startete (Bachelor) Studiengang zu Gesund­heitskommunikation sowie ein von den Organi­satoren herausgegebenes gleichnamiges Lehr­buch.

     

    Zwei Fragestellungen sind in diesem Bereich derzeit von zentralem Interesse:
    1) Wie lässt sich die personal-kommunikative Interaktion z.B. zwischen Arzt und Patient verbessern?

    2) Wie können Gesundheitsinformationen medial vermittelt werden?

     

    Zu 1) Im Arzt-Patient-Kontakt werden Be­schwerden und Symptome, mögliche Ursachen und Befür­chtungen, diagnostisches Vorgehen und Behandlungs­strategien, mögliche erwün­schte Ergebnisse oder auch ggf. unerwünschte Folgen in einem Beratungsgespräch behandelt. In dieser komplexen häufig von Zeitdruck ge­präg­ten Interaktion verbergen sich eine Vielzahl mög­licher Probleme. So wussten Ep­stein und Mitar­beiter (1993) zu be­richten, dass Patienten unge­fähr 18 Sekunden nachdem sie mit der Be­schreibung ihrer Symp­tome begonnen haben vom Arzt unter­brochen werden mit der Konse­quenz, dass wichtige Besorgnisse  nicht geschil­dert werden. Merwe (1995) ergänzt, dass sich Patienten und Ärzte in 50% aller Besuche über die Natur des zugrunde­liegenden Problems nicht einig werden können.

     

    Ärzte lasten nach Er­kennt­nissen von Levinson und Mitarbeitern (1993) die Kommunikations­pro­bleme häufig den Patienten und nicht sich selber an obwohl 75 % keine ausreichende Schulung in kommunikativen Fertigkeiten  be­richten. 67% der Ärzte sind, nach einer Studie von Franke (1995), unzufrieden mit der Menge an Zeit, die sie für Patienten aufbringen müs­sen, 90% meinen, dass Patienten ihre Rat­schläge und Anweisungen nicht oder nur teil­weise  aus­füh­ren.

     

    Dies erklärt warum nach Darstellung von Thompson (2002) die Zufriedenheit mit dem Gesundheitsversorgungssystem bei vielen Per­sonen größer ist als die mit den die Versorgung begleitenden Kommunikations­prozessen. Die bisherigen Erkenntnisse zur direkten personalen Gesundheitskommunikation  haben das Pro­blem­verständnis vertieft, bislang aber wenig Interventionen hervorgebracht, die zur Verbes­serung der Situ­ation beitragen.

     

    zu 2) Die Technikentwicklung hat in den letzten zehn Jahren auch die medialen Möglichkeiten zur  Gesundheitskommunikation verändert.  Medial vermittelte Gesundheitsangebote zielen auch bei zunehmenden „interaktiven“ Mög­lichkeiten primär auf die Verbreiterung gesund­heitsbezogenen Wissens zur Aufklärung von in Bezug auf das Gesundheitsproblem bzw. dessen Vermeidung bedeutsamen Teilen der  Bevöl­kerung.

     

    Das Zusammenwachsen von Computer- und Nachrichtentechnik ermöglicht eine Inter­aktion zwischen Mensch und Maschine die z.B. in CD-ROM-Anwendungen, Internetseiten oder Ge­sundheitskiosks genutzt werden bzw. eine ma­schinenvermittelte Mensch zu Mensch Inter­aktion, die in E-Mails, Newsgroups oder im Chat realisiert wird.

     

    Mit zunehmenden Interaktionsmöglichkeiten bietet sich die Chance, personenbezogene Angaben zur Auswahl der im zweiten Schritt präsentierten Informationen zu nutzen um die Passung zwischen Person und präsentiertem Informationsangebot zu verbessern. Das diese Art der Informationspräsentation das Gesund­heitsverhalten effektiver beeinflusst als her­kömmliche (mediale) Strategien konnten Bull, Kreuter & Scharff, 1998 im Bereich der Adiposi­tas-Prävention zeigen. Diese Möglich­keiten werden in Telemedizin, Tele-Teaching und Tele­prävention zunehmend genutzt. Mit diesen Mög­lichkeiten verbundene  ethische Probleme bedürfen noch einer Lösung.

     

    Die zunehmende Verbreitung von gesundheits­bezogenen Informationen im Internet offenbart eine Angebotsfülle, deren Qualität für den Nut­zer nicht zweifelsfrei einschätzbar ist. Varia­tio­nen ergeben sich mit Blick auf Aktuali­tät, Voll­ständigkeit, empirischer Basis sowie Klarheit in der Darstellung um nur einige Aspekte anzu­führen. Die Sicherstellung der Qualität von Gesundheitsinformationen in den neuen Medien rückt hiermit in den Blick.

     

    Selbstverpflichtungen der Anbieter, Gütesiegel oder aber auch externen Begutachtungen z.B. durch Einrichtungen des Verbraucherschutzes werden diskutiert, eine Qualitätsbeurteilung von Gesundheitsinformationen durch den Nutzer ist auf der Grundlage von Kriterien für gute Gesundheitsinformationen, die von Wissenschaftlern, Praktikern und Patienten in einem mehrstufigen Verfahren entwickelt wurden, möglich (Kriterienliste).

IPG-Newsletter Gesundheitsfoerderung 02/02 (22.Okt.02)