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Buchrezension: Gutzwiller, F. & Paccaud, F. (Hg.). (2007). Sozial- und Präventivmedizin, Public Health (3. vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Huber.

Gutzwiller, F. & Paccaud, F. (Hg.). (2007). Sozial- und Präventivmedizin, Public Health (3. vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Huber. 523 Seiten (42.95 Euro)

Das Werk vermittelt einen umfassenden Überblick über theoretische Grundlagen und praktische Anwendungen von Sozial- und Präventivmedizin aus Schweizer Sicht. Mehr als 60 Autoren widmen sich den Themen Gesundheit und Public Health in der Schweiz. Kenner der Schweizer Situation reklamieren vielfach die Vorbildfunktion Schweizer Gesundheitsaktivitäten für Maßnahmen und Programme in anderen Ländern.

Der erste Teil des Werks umfasst grundlegende Konzepte, Begriffe und Methoden von Public Health. Gesundheit wird als „Zustand“ gefasst, der ständig neu ausbalanciert und in konkreten Lebenssituationen angestrebt und realisiert werden muss (S. 13). Die Aufgabe von Public Health besteht – nach Sicht der Autoren – darin, „sich für die Schaffung von gesellschaftlichen Bedingungen, Umweltbedingungen und Bedingungen der gesundheitlichen Versorgung einzusetzen, unter welchen die Menschen gesund leben können“ (S. 15). Ein eigener Abschnitt ist der Sozialmedizin und Gesundheitssoziologie gewidmet, in dem Befunde zum Zusammenhang von sozialer Ungleichheit (vertikal, horizontal) und Gesundheit zusammengetragen werden.

Im zweiten Teil des Bandes werden Methoden und Grundlagen beschrieben, zu denen Epidemiologie, Demografie, Gesundheitsberichterstattung sowie Biostatistik zählen. Dieses 60 Seiten umfassende Kapitel vermittelt Basiskenntnisse der genannten Bereiche, die das Verständnis empirischer Arbeiten erleichtern. Neben epidemiologischen Maßzahlen zur Beschreibung der Verteilung von Krankheiten und der Exposition werden verschiedene Studientypen behandelt. Diesem folgt eine auf 15 Seiten komprimierte Zusammenfassung der Biostatistik, in der neben Grundbegriffen, Kennwerte der deskriptiven sowie der Inferenzstatistik zu finden sind. Den Abschluss dieses Kapitels bilden demografische Kennwerte, die als Gesundheitsindikatoren Verwendung finden.

Der dritte und mit Abstand  umfangreichste Teil dieses Bandes ist Interventionen, Maßnahmen und Anwendungen gewidmet (ca. 300 Seiten). Neben der Organisation des Gesundheitswesens werden dort Prävention und Gesundheitsförderung, chronisch degenerative Krankheiten, Infektionskrankheiten, Ernährung, alte Menschen als Zielgruppe gesundheitsbezogener Interventionen sowie die medizinischen Handlungsfelder Arbeits– und Umweltmedizin behandelt.

Nach Ansicht der Autoren wird in der dritten Auflage dieses Bandes der Strukturwandel des Schweizer Gesundheitswesens von der kurativen zur präventiven Orientierung besonders deutlich. Die 20 Seiten dieses Bandes, die der Prävention und Gesundheitsförderung gewidmet sind, spiegeln diese Entwicklung nur unzureichend wieder, obwohl Stichworte wie Mobbing bzw. betriebliche Gesundheitsförderung hinzu gekommen sind.

Das Buch ist übersichtlich strukturiert, relevante Begriffe sind farbig hervorgehoben und Zusammenfassungen der Abschnitte vorangestellt. Im Anhang wird auf einschlägige Webseiten verwiesen, dort ist ferner ein Glossar zur Epidemiologie abgedruckt. Die sozial- und präventivmedizinische Perspektive auf Public Health konturiert diesen Band, sozialwissenschaftliche Public Health Diskurse sind dort nicht zu finden. Die Inhalte der einzelnen Kapitel sind kurz, prägnant und kompetent dargestellt. Der in Teilen lexikalische Aufbau führt dazu, dass Bezüge zwischen verschiedenen Inhalten nicht immer hergestellt werden. Eine auch für andere Lehrbücher geltende Kritik bezieht sich auf die Auswahl an Interventionsbereichen, nur ein Kapitel ist einer Zielgruppe von Interventionen (alten Menschen) gewidmet.

Dieses Buch ist auf Grund seiner Systematik Einsteigern in die Gesundheitswissenschaften zu empfehlen. Erleichtert wird ihnen der Einstieg in die Begriffe, Methoden und Konzepte von Public Health aus der spezifischen Sicht von Sozial- und Präventivmedizinern. Lohnenswert zu lesen ist auch die breite Darstellung von Interventionen, Maßnahmen und Anwendungen, deren Systematik sich dem Leser allerdings nicht unbedingt erschließt.
IPG-Newsletter Gesundheitsförderung 02/08 [15/06/2008]