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Buchrezension: Richter, M., Hurrelmann, K., Klocke, A., Melzer, W. & Ravens-Sieberer, U. (2008). Gesundheit, Ungleichheit und jugendliche Lebenswelten

Richter, M., Hurrelmann, K., Klocke, A., Melzer, W. & Ravens-Sieberer, U. (2008). Gesundheit, Ungleichheit und jugendliche Lebenswelten (24 Euro).

In diesem Band werden die nationalen Ergebnisse des zweiten WHO-Jugendgesundheitssurveys „Health behavior in school aged children (HBSC) vorgestellt. An der HBSC Studie beteiligen sich Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren aus über 40 Ländern (Europa, USA, Kanada, Israel) denen Fragen zu ihrer subjektiven Gesundheit, zu ihrem Gesundheitsverhalten sowie ihrer Lebenssituation vorgelegt werden. 11.513 Schülerinnen im Alter von 11,13 und 15 Jahren wurden im Jahre 2006 befragt. Aus diesen Daten wurde ein für Deutschland strukturtypischer Datensatz gebildet, gewichtet an der Anzahl der Schüler in öffentlichen Schulen in den verschiedenen Klassenstufen.

Der erste Band, der 2003 erschien, war noch als Basispublikation konzipiert, in dem Eckdaten zur Kinder- und Jugend­gesundheit vorgestellt wurden. In diesem Band werden diese Ergebnisse aktualisiert und ein Thema akzentuiert: Wie interagieren soziale Ungleichheit und jugendliche Lebenswelten und wie bestimmen diese die Gesundheit bzw. das Gesundheitsverhalten.

Im 120 Seiten umfassenden ersten Teil des Buches wird die sozial ungleiche Verteilung gesundheitlicher Risiken analysiert und diskutiert (Substanzkonsum, Ernährungsverhalten, Gewalt und Mobbing, Migration). Der zweite Teil ist dem Zusammenhang sozialer Kontexte (Schule, Familie, Gleichaltrigengruppe) und Risikoverhalten bzw. subjektiver Gesundheit gewidmet.

Die Autoren arbeiten heraus, dass sich nicht für alle betrachteten Indikatoren von Gesundheit sozioökonomische Unterscheide zeigen lassen. Die sozialen Kontexte Schule oder Gleichaltrigengruppe wirken teilweise eigenständig auf die subjektive Gesundheit.

Ziel präventiver Maßnahmen sollte nach vorliegenden Befunden die Reduzierung ungleicher Lebenschancen sowie die Unterstützung benachteiligter Familien sein.

Mit der Fokussierung auf eine inhaltliche Fragestellung hat diese Publikation gegenüber der vorherigen deutlich gewonnen. Die Darstellung ist differenziert und nur in Teilen deskriptiv. Auf empirische Analysen sinnvoller Bezüge zu anderen Merkmalsbereichen wird nicht verzichtet. Trotz teilweise anspruchsvoller Auswertungsstrategien (z.B. Mehrebenenanalysen) bleiben die Darstellungen auch für methodisch nicht so versierte Leser nachvollziehbar. Für Gesundheitswissenschaftler, die sich mit Kinder- und Jugendgesundheit beschäftigen, ist dieses Buch dringend zu empfehlen. Es bietet ebenso denjenigen Anregung, die attraktive Gesundheitsberichte erstellen wollen.

IPG-Newsletter Gesundheitsförderung 03/08 [30/09/2008]