Springe direkt zu Inhalt

Buchrezension: Razum, O., Zeeb, H.& Laaser, U. (Hg.) (2006). Globalisierung – Gerechtigkeit – Gesundheit. Einführung in international Public Health. Bern: Huber

Razum, O., Zeeb, H.& Laaser, U. (Hg.) (2006). Globalisierung – Gerechtigkeit – Gesundheit. Einführung in international Public Health. Bern: Huber (39.95 Euro)

Globalisierung und Gerechtigkeit sind Schlagworte, die vielfach geführt werden, die Verbindung mit dem Thema Gesundheit aber ist sicherlich noch ungewöhnlich, wenngleich eine lohnende Betrachtung. Nach einem einführenden Beitrag von Ilona Kickbusch in das Thema werden drei Themenstränge bearbeitet: die politisch-historische Dimension und die unmittelbaren Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit, Prinzipien und Lösungsansätze im internationalen Vergleich sowie Handlungsbedarfe.

Im einführenden ersten Teil werden ausgehend von der Frage der Verteilungsgerechtigkeit gesundheitliche Herausforderungen in einem Überblick dargestellt und vor dem Hintergrund der Globalisierung analysiert. Ausgehend von der weltweiten Ungleichheit bei der Kindersterblichkeit zeigt z.B. J. Diesfeld, dass diese in Deutschland im 19. Jahrhundert vergleichbar war mit der in Entwicklungsländern des 21. Jahrhunderts. Rudolf Virchow befasste sich seinerzeit hierzulande mit dem Problem: In bedrückender Weise zeigen seine Forderungen Parallelen zu denen der Weltgesundheitsorganisation von heute. Nicht nur die Kindersterblichkeit, sondern auch andere Gesundheitsrisiken und –probleme sind ungleich verteilt (übertragbare Krankheiten, Rauchen).

Auf die Zusammenhänge zwischen einer globalisierten Weltwirtschaft und der weltweiten Gesundheit verweist D. Schwefel. Eine Verbesserung der Gesundheit in ärmeren Ländern ist immer mit Armutsbekämfung verknüpft. Da Gesundheit - so U. Laaser im zweiten Teil des Bandes - als eine essenzielle Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, gesellschaftliche Entwicklung und Friedenssicherung gesehen wird, lesen sich die wichtigsten Aufgabenstellungen von Public Health wie folgt: Herstellung gerechter Austauschbeziehungen, Friedenssicherung, Bekämpfung der essenziellen Armut, Verfügbarmachen von Basisgesundheitsdiensten, Schutz durch eine soziale Gesundheitsversicherung, Umweltschutz sowie sexuelle Selbstbestimmung der Frauen.

Als vordringlich zu lösende Public Health Probleme werden im dritten Teil des Buches die Kindersterblichkeit, die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen, die Bekämpfung neuer Infektionskrankheiten (z.B. HIV/AIDS, SARS, Malaria) sowie chronischer Krankheiten dargestellt. Die Probleme warten auf Lösungen, zu denen eine international orientierte Public Health Forschung und -Praxis einen Beitrag leisten kann.

Mit diesem Buch wird eine Lücke im deutschsprachigen Raum sichtbar. Es fehlt eine Einführung in die Gesundheitswissenschaften /Public Health in internationaler, vergleichender Perspektive. Geschlossen werden kann diese Lücke durch die vorliegenden Beiträge nur exemplarisch, jedoch werden alle wichtigen Themen einer internationalen Public Health Perspektive angesprochen und die Notwendigkeit einer intensiven Kooperation über traditionelle Grenzen zwischen Ländern und Organisationen hinweg angemahnt. Lesenswert ist diese Publikation insofern für alle gesundheitswissenschaftlich interessierten Leser.

 
IPG-Newsletter Gesundheitsförderung 03/08 [30/09/2008]