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Buchrezension: Richter, P. G. Rau, R. & Mühlpfordt, S. (Hrsg.). (2007). Arbeit und Gesundheit: Zum aktuellen Stand in einem Forschungs- und Praxisfeld. Lengerich: Pabst Science Publisher. (30 €)

Richter, P. G. Rau, R. & Mühlpfordt, S. (Hrsg.). (2007). Arbeit und Gesundheit: Zum aktuellen Stand in einem Forschungs- und Praxisfeld. Lengerich: Pabst Science Publisher. (30 €)

1982 erschien im deutschsprachigen Raum die Übersetzung des Buches „Job demands an worker health“ von Robert Caplan unter dem Titel „Arbeit und Gesundheit“. Der Forschungsstand zu Stressbedingungen in der Arbeit und Gesundheit wurde erarbeitet; die deutschsprachige Ausgabe von I. Udris herausgegeben. Verglichen wurden in diesem Band 23 unterschiedliche Berufe hinsichtlich ihrer heterogenen Belastungsprofile. Es hat bis 2007 gedauert, dass ein erneut ein Sammelwerk dieses Titels erschien, dieses Mal von den Autoren P. Richter, R. Rau und S. Mühlpfort herausgegeben, eine Festschrift zur Emeritierung von P. Richter aus Dresden. Gegeben werden soll – so die Autoren -ein kompakter und aktueller Einblick in das zukunftsträchtige Forschungs- und Praxisfeld „Arbeit und Gesundheit“. In fünf Themenblöcken werden grundsätzliche Fragen (1), Methoden (2), organisationalen Bedingungen (3), soziale und personale Bedingungen (4) sowie ökonomische Folgen (5) behandelt.

Eingangs wird der Forschungsstand zu Stress in der Arbeit und Gesundheit von U. Lundberg dargestellt. Deutlich wird, dass sich die Arbeitswelt verändert hat. Schwere körperliche Arbeit ist in Folge verstärkten Technikeinsatzes zurückgegangen, gleichzeitig wurden in Folge zunehmender technischer Unterstützung Möglichkeiten ortsunabhängigen Arbeitens geschaffen bzw. ausgebaut. Dies hat auch zu einer Veränderung des Beanspruchungspanoramas beigetragen, muskulo-skeletale Erkrankungen, die jahrelang den größten Anteil des Krankheitsgeschehens ausmachten, wurden von psychischen Erkrankungen verdrängt. Gleichwohl hat sich der Blick der Forschung auf Gesundheit verändert; „salutogene“ Facetten von Gesundheit wurden ergänzt, Optimismus und Wohlbefinden haben Eingang in die arbeitsweltbezogene Gesundheitsforschung gefunden. Auch Burnout ist als „neues“ Themengebiet hinzugekommen – ein Beitrag dieses Bandes fokussiert diesen Gegenstand.

Im Themenblock zu Methoden werden überwiegend Instrumente vorgestellt, die diesen Perspektivwechsel zum Ausdruck bringen: Das Screening gesundes Arbeiten (SGA), Formen der Arbeitszufriedenheit (FAZ) sowie des Optimismus und seines Vorhersagewerts für die Gesundheit werden behandelt.

Möglichkeiten zur psychologischen Analyse und Bewertung von Tätigkeiten in neuen Arbeits- und Organisationsformen bündelt Kapitel 3 am Beispiel des Lehrerberufs, der stationären Krankenpflege sowie der Papierindustrie.

Die Wirkung von Interventionen wie des Einsatzes „psychologischer Verträge, von Trainings zur Stressreduktion, zur Sekundärprävention alkoholbedingter Störungen, von Maßnahmen zur Fehlzeitenreduktion zur Förderung von Gesundheit am Arbeitsplatz werden erörtert. Das Buch schließt mit dem Themenblock „Jenseits der Erwerbsarbeit: Gemeinnützige Arbeit und Erwerbstätigkeit ab“.

In den letzten fünfundzwanzig Jahren hat sich das Forschungs- und Praxisfeld „Arbeit und Gesundheit“ stark gewandelt. Der Anspruch, diese Entwicklungen zusam­menfassend darzustellen, ist ambitioniert. So ist ein deutlicher Vorzug dieses Sammelbandes, dass aktuelle Erkenntnisse aus relevanten Forschungs- und Praxisgebieten dargestellt werden. In der Systematik wäre eine Anlehnung an Strukturierungen einschlägiger Lehrbücher weiterführender gewesen, die es dem Leser ermöglicht hätte, die Auswahl an Themen zu beurteilen um auch blinde Flecken finden zu können. So sind z.B. die Arbeitsfelder, aus denen berichtet wird (Schule, stationäre Krankenpflege, Papierindustrie), sicherlich bedeutsam wenngleich kaum erschöpfend für die Wirtschaft. So bietet dieser Band sicherlich keinen erschöpfenden Überblick über die Breite des Themas „Arbeit und Gesundheit“, aber dennoch lesenswerte Beiträge zu einem Themenfeld, welches auch zukünftig bedeutsam bleiben wird.