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Evaluation von Beratungsangeboten zur Betrieblichen Gesundheitsförderung der BGW Hamburg

Evaluation von Beratungsangeboten zur Betrieblichen Gesundheitsförderung der BGW Hamburg

  • Förderer: Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
  • Laufzeit: Januar 2008 bis Dezember 2010
  • Projektleitung: Prof. Dieter Kleiber, Claudia Voelker

Hintergrund

Die physische und psychische Belastung von Beschäftigten in der Kranken- und Altenpflege gilt im Vergleich zu anderen Berufsgruppen als überdurchschnittlich hoch. Dies zeigt sich auch in den Zahlen zu berufsbedingten Fehlzeiten und Berufskrankheiten. Vor diesem Hintergrund hat die BGW Hamburg als Versicherungsträger der Gesundheitsberufe verschiedene Beratungsangebote zur Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren für Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege entwickelt und durchgeführt:

I           „Arbeitslogistik in der Altenpflege“ (al.i.d.a)

Hintergrund dieses Angebotes ist die besondere Belastung von AltenpflegerInnen durch arbeitsspitzenbedingten Personalmangel. Grundlage für die Ableitung von gezielten Maßnahmen bilden eine Zeit-Leistungsanalyse und eine Mitarbeiterbefragung. Ziel der Beratung ist die Integration von arbeitsschutzgerechtem und gesundheitsförderlichem Arbeiten in den Arbeitsalltag der Pflege durch Verbesserung der Arbeitsabläufe mittels optimierter Personaleinsatzplanung.

II&III   „Organisationsentwicklung“ und „Leitbildentwicklung“

Die Konzepte sehen vor, durch Optimierung der organisatorischen Abläufe, der Informations- und Kommunikationsstrukturen die Arbeit im Krankenhaus zu erleichtern, Stress zu minimieren und mögliche Gesundheitsschäden zu verhindern. Sie orientieren sich an den konkreten Gegebenheiten des Hauses, beziehen die gesamte Organisation in einen gemeinsamen Veränderungsprozess von Personen und Strukturen ein und fördern die Selbständigkeit der Mitarbeiter. Bei der Organisationsentwicklung steht die Einführung von verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen im Vordergrund, bei der Leitbildentwicklung die Entwicklung einer übergeordneten Unternehmenskultur, aus denen diese Maßnahmen folgen sollten.

IV        „Prävention von Rückenbeschwerden in der stationären Altenpflege“

Dem Konzept liegt die Annahme zugrunde, dass Rückenschmerzen bei Pflegepersonal zwar vorwiegend aber nicht ausschließlich durch schweres Heben und Tragen verursacht wird. Eine große Rolle spielen auch organisatorische und strukturelle Faktoren welche sich gleichsam als Stressor auswirken und Rückenbeschwerden verursachen können. Ziel der Beratung ist die Sensibilisierung für das multifaktoriell verursachte Problem Rückenschmerzen und die Einführung eines eigenständigen Projektmanagements zur Prävention von Rückenbeschwerden in der Einrichtung.

V         „Prävention von Rückenbeschwerden in der stationären Krankenpflege“

Diesem Beratungskonzept unterliegen die gleichen Ziele wie der Rückenprävention in der Altenpflege mit der Zielgruppe Pflegepersonal im Krankenhaus. Es wurde in seiner ursprünglichen Konzeption in 2000 nach einer zweijährigen Pilotphase bis 2002 erprobt. Inzwischen sind seit Ende 2002 80 Beratungen abgeschlossen worden, welche seit Juni 2007 im Rahmen einer Dissertation evaluiert werden. Aufgrund der ersten Ergebnisse wurde das Konzept neu aufgelegt. Inzwischen sind bereits einigeBeratungen nach diesem neuen Konzept gelaufen, welche im Rahmen dieses Projekts ebenfalls evaluiert werden sollen.

Allen Beratungsangeboten ist es gemeinsam, dass ein externer Berater von der BGW innerhalb eines begrenzten Zeitraumes (1-1 ½ Jahre) die Einrichtung bei der Analyse der Ist-Situation, der Zielsetzung sowie bei der Umsetzung von abgeleiteten Maßnahmen unterstützt. In der Einrichtung wird eine Projektgruppe gebildet, welche die Verantwortung für das Projekt trägt. Dazu werden durch die BeraterInnen ergänzende Qualifizierungsmaßnahmen in Projektmanagement und Moderation durchgeführt.

Ziel aller Beratungsangebote ist neben der Senkung von krankheitsbedingten Fehlzeiten und der Steigerung der Arbeitszufriedenheit die nachhaltige Implementierung eines Gesundheitsmanagements in der Einrichtung.

Eine begleitende Evaluation blieb bisher aus. Aus Gründen der Qualitätssicherung soll diese nun über einen Gesamtzeitraum von 3 Jahren in allen teilnehmenden Häusern erfolgen.

Durchführung

Die Zahl der teilnehmenden Häuser liegt derzeit bei N=31 (al.i.d.a), N=5 (II&III), bzw. N=3 (IV&V). Die Evaluation der Beratungsangebote erfolgt an vier Zeitpunkten:

t1         Nach der Situationsanalyse (ca. 6 Monate nach Projektbeginn)

t2         Nach Projektabschluss

t3         6 Monate nach Projektabschluss

t4         18 Monate nach Projektabschluss

Dazu werden leitfadengestützte Interviews mit den beteiligten ProjektleiterInnen und Mitarbeitervertretungen (t1, t3 und t4) und der Geschäftsführung (t2) durchgeführt und qualitativ ausgewertet.

Ziel der anstehenden Evaluation aller Beratungsangebote ist es, den Verlauf, den Stand bzw. die Nachhaltigkeit der Ergebnisse im Hinblick auf die allgemeinen Ziele der BGW und der individuellen Ziele der Häuser zu ermitteln. Um die Arbeit der Projektgruppe und des externen Beraters beurteilen sowie die Beratungskonzepte verbessern zu können, sollen konkrete Empfehlungen zur zukünftigen Qualitätssicherung von Beratungsangeboten abgeleitet werden.

Vorläufige Ergebnisse

Durch die unterschiedlichen Einstiegszeitpunkte werden alle 6 Monate Zwischenberichte über die Ergebnisse der Befragungen pro Beratungskonzept erstellt, die derzeit bei der BGW einzusehen sind. Die erste Befragung (t1) wurde bereits in allen teilnehmenden Häusern durchgeführt und ausgewertet. Im Rahmen der Beratung al.i.d.a haben 13 Einrichtungen das Projekt abgeschlossen und die Befragung der Geschäftsführung (t2) ist erfolgt und in der Auswertung. 6 Häuser haben die Beratung aufgrund von Umstrukturierungsmaßnahmen abgebrochen. Vor den Hintergrund der methodischen Einschränkungen, dass lediglich auf subjektive Einschätzungen und nicht auf harte Daten zugegriffen werden kann, kann bisher von einem großen Erfolg der Beratung gesprochen werden, der nach Einschätzung der Beteiligten nicht zuletzt auf das Konzept der Einführung von Projekt- und Gesundheitsmanagement durch externe Berater unter dem institutionellen Schirm der BGW zurückzuführen ist.