Evaluation des Modellprojekts Entwicklung und Erprobung eines Curriculums zur berufsbegleitenden Fortbildung 'Sexualpädagogik' in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein

Evaluation des Modellprojekts Entwicklung und Erprobung eines Curriculums zur berufsbegleitenden Fortbildung 'Sexualpädagogik' in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein/
Projekt am Arbeitsbereich

  • Mittelgeber: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
  • Laufzeit: Mai 1996 bis Juli 1999
  • Projektleitung: Prof. Dr. Dieter Kleiber
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dipl.-Psych. Sabine Meixner

1. Das Modellprojekt und seine Ziele

Aufgabe des Projektes ist die wissenschaftliche Begleitforschung zu einer berufsbegleitenden sexualpädagogischen Fortbildung, die sich an Multiplikatoren aus dem Bildungs- Sozial- und Gesundheitswesen richtet und im Rahmen eines Bund-Länder-Modellprojekts in den Jahren 1997 bis 1998 in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein durchgeführt wird. Es handelt sich dabei um eine langfristige und als Zusatzqualifikation angelegte Maßnahme. Die Fortbildungsmaßnahme soll unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten im Hinblick auf ihre Wirkungseffekte, Erfolge und Akzeptanz bei der Zielgruppe beurteilt werden, insbesondere gilt es hierbei auch die Frage zu klären, ob und inwieweit Kongruenz zwischen Wirkungen und Zielen der Maßnahme besteht.

Ziel der Fortbildung ist es, durch die Vermittlung notwendiger sexualpädagogischer Spezialkenntnisse bestehende Defizite und Unsicherheiten auszugleichen, die vor allem durch eine bislang nur unzureichende sexualpädagogische Erstausbildung sowie durch ein mangelndes Angebot an Fortbildungsmaßnahmen zur sexualpädagogischen Facharbeit bedingt sind. Daneben gilt es, einem in den letzten Jahren in Wissenschaft und Praxis zunehmenden Interesse an sexualpädagogischen Inhalten und Konzepten Rechnung zu tragen, das seine Dynamik nicht zuletzt durch das Auftreten der Immunschwächekranheit AIDS sowie durch spezifische Problemthemen wie z.B. Fragen der Schwangerschaftsverhütung bei Jugendlichen oder die Thematik des sexuellen Mißbrauchs von Kindern erfuhr und zu einer zunehmenden Nachfrage von seiten pädagogisch tätiger Praktiker nach der Verbesserung spezifischer sexualpädagogischer Handlungskompetenzen führte.

Das Modellvorhaben beinhaltet die Entwicklung eines bedarfsgerechten Grundlagencurriculums "Sexualpädagogik" und dessen Erprobung durch die jeweiligen Konzeptionsteams in den Ländern. Auf inhaltlicher Ebene wird vor allem die Vermittlung bzw. Verbesserung von Handlungs-, Kommunikations- und Reflexionskompetenzen zur sexualpädagogischen Praxisarbeit intendiert. Im Vordergrund stehen dabei zum einen die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der Seminarteilnehmer i.S. von Selbstreflexion und Selbsterfahrung – hier geht es um die Reflexion der eigenen subjektiven sexualpädagogischen Kompetenzen, die Aufarbeitung eigener Einstellungen und Werthaltungen zur Sexualität im Kontext der sexuellen Biographie der Teilnehmer sowie um die Erlangung kommunikativer Fähigkeiten zur beratenden Gesprächsführung. Zum anderen besteht eine weitere Zielsetzung in der Vermittlung von Basiswissen – hierbei geht es um die Erweiterung von theoretischen und sachlichen Kenntnissen im Bereich der Sexualität und Sexualpädagogik. Daneben bestehen weitere Ziele einerseits in der Ausbildung von Fortbildungsteams, die durch das Modellprojekt befähigt werden sollen, auch nach dessen Ablauf sexualpädagogische Fortbildungsmaßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern durchzuführen sowie andererseits in der Etablierung eines regelmäßigen Austausches zwischen den Fortbildnerteams und weiteren Experten i.S. von länderübergreifenden, interdisziplinären Vernetzungsstrukturen.

2. Untersuchungsansätze und geplante methodische Zugänge der wissenschaftlichen Begleitforschung

Der methodische Untersuchungsansatz der Begleitforschung gliedert sich in vier Teilstudien:

  1. Im Hinblick auf die Beurteilung und Dokumentation des Prozesses der Curriculumentwicklung werden halbstandardisierte Einzelinterviews mit den Fortbildnern in den jeweiligen Ländern durchgeführt, um die institutionellen und strukturellen Bedingungen der Projektarbeit in den Ländern zu erfassen.
  2. Zur Prüfung konkreter Effekte der Fortbildungsmaßnahme selbst, sind ein Prä-Post-Vergleich sowie eine Follow-up-Studie 6 Monate nach Fortbildungsende vorgesehen, in deren Rahmen bei den Teilnehmer mittels eines standardisierten Fragebogens mögliche Effekte der Fortbildung in den Bereichen Wissen, Handlungsund Reflexionskompetenz, Persönlichkeit und Einstellungen erfaßt werden sollen (summative Evaluation). Um Rückschlüsse über Veränderungseffekte im Hinblick auf die Fortbildungsmaßnahme machen zu können, ist zudem ein Kontrollgruppen-Design vorgesehen. Es soll hierbei eine Kontrollgruppen von Multiplikatoren aus vergleichbaren Tätigkeitskontexten und mit einem ähnlichen Ausbildungsstand wie die Teilnehmergruppe befragt werden, die im Verlauf der Fortbildung keine zusätzlichen berufsbegleitenden Qualifikationsmaßnahmen erhalten.
  3. Weiterhin sollen die Teilnehmer nach jeder Fortbildungsveranstaltung, ebenfalls mittel eines standardisierten Fragebogens, zu ihrer Beurteilung der Veranstaltungen im Hinblick auf inhaltliche Aspekte wie auch unter Bezug auf Fragen der Rahmenbedingungen, des Umfangs, der Frequenz sowie der Methoden und Didaktiken befragt werden (Input- und Prozeßevaluation). Daneben sind hierbei Informationen über die laufenden Erfahrungen der Teilnehmer zum Nutzen der Maßnahme für die individuelle Praxis, sowie über etwaige Umsetzungsprobleme zu berücksichtigen (Transferevaluation).
  4. Da die Modellziele sich nicht in der Entwicklung und einmaligen Durchführung einer Fortbildungsmaßnahme erschöpfen, sondern vielmehr auch die Schaffung und Optimierung von vernetzten Strukturen sowie z.T. eine selbständige Weiterführung sexualpädagogischer Maßnahmen durch Teilnehmer fokussieren, wird im Rahmen der Evaluation eine erweiterte wissenschaftliche Begleitforschung angestrebt, die sich nicht auf die abschließende Beurteilung einer exemplarischen Umsetzung der Fortbildungsmaßnahme beschränkt, sondern darüber hinausgehend versucht, zu wissenschaftlichen Befunden zu gelangen, die für die Konzipierung zukünftiger Fortbildungsmaßnahmen helfen und Erkenntnisse zur Optimierung von Strukturen sexualpädagogischer Arbeit bereitstellen können.
    Hierzu sollen im Rahmen eine Literaturüberblicks zunächst der nationale wie internationale Stand der sexualpädagogischen Arbeit in Wissenschaft und Praxis erfaßt werden. Darüber hinaus sind an wissenschaftlichen Untersuchungen zunächst eine, im deutschen Sprachraum bislang fehlende, systematische Bedarfsermittlung für sexualpädagogische Fortbilungsmaßnahmen sowie die Ermittlung struktureller Rahmenbedingungen sexualpädagogischer Arbeit in den Ländern geplant, um Aufschluß über Anforderungen an Maßnahmen, wie sie das Modellprojekt darstellt, zu erhalten.
    Im Rahmen dieser letzten Teilstudie wird zum einen eine Befragung von Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft intendiert. Darüber hinaus sollen die potentiellen Zielgruppen solcher Fortbildungsmaßnahmen zum einen mittels eines standardisierten Fragebogens sowie z.T. im Rahmen von halbstandardisierten Interviews befragt werden, d.h. angesprochen werden hier vor allem Lehrer und Mitarbeiter aus psychosozialen Einrichtungen.

Bisherige Publikationen im Projekt:

  • Kleiber, D. & Meixner, S. (1996). Wissenschaftliche Begleitforschung zum Modellprojekt "Berufsbegleitende sexualpädagogische Fortbildung in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein" – Erster Zwischenbericht. Berlin: unveröff. Forschungsbericht.

 

weitere Projekte des Arbeitsbereichs Prävention und psychosoziale Gesundheitsforschung »

top ↑