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Gesundheitsökonomie

(LV 12820)

TypSeminar
Freie Plätzeja
RaumRaum K 23/27
Beginn17.04.2008
Zeit
Studiengebiet: Fachwissenschaftliche Grundlagen psychosozialer Prävention und Gesundheitsförderung

Donnerstags 16-18 Uhr

Inhalt

Das Gesundheitswesen ist in Deutschland wie in allen westlichen Industrieländern mit über zehn Prozent Anteil am Bruttosozialprodukt einer der größten Wirtschaftszweige. Die Leistungserbringung erfolgt durch private (einschließlich frei-gemeinnütziger und kirchlicher) und durch staatliche Anbieter und ist gegliedert in verschiedene Sektoren. Die Finanzierung erfolgt zum größten Teil über die Gesetzliche Krankenversicherung und die Gebietskörperschaften – also öffentliche, staatliche Haushalte. In dieser Konstellation stehen die Tendenz zur Ausweitung der Leistungen und die Finanzierungsprobleme der Öffentlichen Haushalte einander konfliktbehaftet gegenüber. Die Tendenz zur Leistungsausweitung ist bedingt durch medizinischen Fortschritt, demografische Entwicklung, Erwartungen der Empfänger und Interessen der Anbieter. Die Finanzierungskrise ist bedingt durch demografischen Wandel und konjunkturelle und strukturelle Wirtschaftsprobleme – verbunden mit hoher Arbeitslosigkeit und sozioökonomischen Verschiebungen. Das so umrissene Gesundheitswesen sichert die Gesundheits- und Krankenversorgung für fast die gesamte Bevölkerung auf hohem Niveau – bei diskutierbarem qualitativem und monetärem Verbesserungspotential. Es kann ein Nebeneinander von Unter-, angemessener und Überversorgung in verschiedenen Bereichen konstatiert werden. Durch die anhaltende Finanzierungskrise in den Institutionen der Krankenversorgung ist die Gesundheitsökonomie ein Stoffgebiet von großer Aktualität. Gesundheitsökonomie, Gesundheitspolitik und Institutionsmanagement sind von hoher Brisanz, da sie sowohl auf der Seite der Nachfrager nach Krankenversorgungsleistungen, als auch auf der Seite der Anbieter, existentielle Aspekte berühren.

Zur Bewältigung des Widerspruches zwischen Leistungsinteressen und Finanzierungsherausforderungen werden in der politischen Diskussion die Erhöhung der Mittelzuflüsse (Zuzahlungen, höhere Beiträge, Einbeziehung weiterer Beitragszahler), die Reduktion der Aufwendungen (Rationalisierung der Leistungserbringung, Rationierung von Leistungen, Schließung von Institutionen, Senkung der Entgelte) und Anpassungen der Wettbewerbsstrukturen (Anbieterwettbewerb, Krankenkassenwettbewerb, Gesundheitsfond) vorgeschlagen. Die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen dieser Ansätze stehen im Mittelpunkt der gesundheitsökonomischen Betrachtung.

Der Kurs umfasst einen makroökonomischen und einen mikroökonomischen Teil. Im makroökonomischen Teil werden die Finanzierungs-, Honorierungs-, Organisations- und Steuerungsprinzipien des Krankenversorgungssystems in Deutschland dargestellt und mit Alternativmodellen verglichen. Die Gemeinsamkeiten mit und die Unterschiede zu anderen Ökonomiebereichen werden erörtert. Im mikroökonomischen Teil werden Aspekte des Klinikmanagements, Medizin- und Finanzcontrollings vorgestellt. Es werden Modelle der Kostenrechnung und der Bewertung von Leistungen betrachtet. Die Gegenüberstellung von Kennziffern der Finanzperspektive zu Kennziffern der Prozess-, Potential-, Kunden- und Mitarbeiterperspektiven im Sinne einer Balanced Scorecard wird dargestellt.

Der detaillierte Semesterplan wird in der ersten Veranstaltung abgestimmt. Die
Übernahme von Referaten durch die Studenten mit den folgenden Themen wird vom Dozenten vorgeschlagen:

  •       Ziele und Strategien der Gesundheitspolitik in den westlichen Industrieländern
  •       Einfluss von Prävention und Gesundheitsförderung auf Krankheitskosten
  •       Strukturen der Krankenversorgung in Deutschland und ausgewählten OECD-Ländern
  •       Die Ausgaben für Gesundheit und ihre Finanzierung
  •       Steuerungswirkungen alternativer Abrechnungsformen in der ambulanten und der stationären Krankenversorgung
  •       Steuerungs- und Finanzierungswirkungen von Zuzahlungen
  •       Doppelcharakter des Gesundheitswesen als Kostenfaktor (Lohnnebenkosten) und Wachstumsmarkt
  •       Ausgliederung von Gesundheitsdienstleistungen aus dem Solidarvertrag
  •       Controlling, Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement
  •       Klinische Pfade und Interne Budgetierung
  •       Disease Management Programme, Integrierte Versorgung
  •       Aktuelle Gesundheitsökonomische Diskussion (Kopfpauschale, Bürgerversicherung, Gesundheitsfond)
Literatur

Andersen, H. H., Henke, K.-D. & Graf v. Schulenburg, J. M. (1992). Basiswissen Gesundheitsökonomie. Band 1: Einführende Texte. Berlin: Edition Sigma.

Breyer, F., Zweifel, P. & Kifman, M. (2003). Gesundheitsökonomie. Berlin: Springer-Verlag.

Goldschmidt, A., Kalbitzer, M. & Eckardt, J. (Hrsg.) (2005). Praxishandbuch Medizincontrolling. Heidelberg: Economica MedizinRecht.de Verlag.

Greulich, A., Onetti, A., Schade, V. & Zaugg, B. (Hrsg.) (2005). Balanced Scorecard im Krankenhaus. Heidelberg: Economica MedizinRecht.de Verlag.

Hentze, J., Huch, B. & Kehres, E. (Hrsg.) 2005. Krankenhauscontrolling. Stuttgart: Kohlhammer Druckerei.

Lauterbach, K. & Schrappe, M. (2001). Gesundheitsökonomie, Qualitätsmanagement und Evidence Based Medicine. Köln: Schattauer Verlag.

Merke, K. (Hrsg.) (1998). Umbau oder Abbau im Gesundheitswesen (Innovation im Gesundheitswesen, Bd. 1). Berlin: Quintessenz Verlag.

Oberender, P. (Hrsg.) (2005). Clinical Pathways Facetten eines Versorgungsmodelles. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.

Perleth, M. (2003). Evidenzbasierte Entscheidungsunterstützung im Gesundheitswesen. Berlin: WiKu-Verlag.

Rychlik, R. (1999). Gesundheitsökonomie und Krankenhausmanagement. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.

Schwartz, F. W., Badura, B., Leidl, R., Raspe, H. & Siegrist, J. (1998). Das Public Health Buch. München: Urban & Schwarzenberg.

Von Troschke, J. & Mühlbacher, A. (2005). Grundwissen Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystem, Öffentliche Gesundheitspflege. Freiburg, Neubrandenburg: Huber Verlag Bern.