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Dr. Kathrin Susanne Kopp

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Drittmittel): Prosoziales Verhalten im Artvergleich

Mein wissenschaftliches Hauptinteresse gilt der artvergleichenden Erforschung der Prosozialität – d.h. dem Handeln zugunsten anderer – bei den großen Menschenaffen inklusive des Menschen, wobei mein derzeitiger Fokus auf dem prosozialen Verhalten von Orang-Utans liegt. Mich interessieren sowohl die artübergreifenden Gemeinsamkeiten als auch die artspezifischen Ausprägungen, Funktionen und Einflussfaktoren prosozialer Verhaltensweisen, wie z.B. des Teilens von Ressourcen oder des Helfens, sowie die zugrundeliegenden soziokognitiven und emotionalen Prozesse. Eine zentrale Frage meiner Forschung ist die nach der Rolle prosozialen Verhaltens für die Entstehung und Entwicklung sozialer Bindungen und vice versa. Die Datengrundlage meiner Studien generiert sich überwiegend aus systematischen Beobachtungen in verschiedenen Zoologischen Gärten.

 

Prosozialität ist die beim Menschen kulturübergreifend stark ausgeprägte Fähigkeit, zugunsten von anderen zu handeln. Sie zeigt sich z. B. im spontanen Helfen oder im kooperativen Handeln zum Erreichen gemeinsamer Ziele – prosozialen Verhaltensweisen also, die oft als Alleinstellungsmerkmale des Menschen betrachtet werden. Da menschliches Handeln jedoch nicht nur das Ergebnis von Kultur, sondern auch von biologischer Evolution ist, eröffnet sich die Frage nach den evolutionären Wurzeln dieser besonderen Fähigkeit und danach, ob auch die rezenten nächsten Verwandten des Menschen – die großen Menschenaffen – prosoziales Verhalten zeigen. Die bisherige Forschung konzentrierte sich vor allem auf Schimpansen (Pan troglodytes) und konnte zahlreiche prosoziale Verhaltensweisen nachweisen, beispielsweise Teilen von Futter, kooperatives Jagen oder Trösten und Versöhnen nach Auseinandersetzungen. Über prosoziales Verhalten von Orang-Utans (Pongo spp.) ist hingegen sehr wenig bekannt. Anders als Schimpansen haben die semi-solitär lebenden Orang-Utans im Freiland vergleichsweise selten Sozialkontakte, können jedoch in Menschenobhut relativ problemlos in Gruppen leben. Im Rahmen meines Dissertationsprojektes führe ich eine Beobachtungsstudie in mehreren Zoologischen Gärten durch, um erstmals das prosoziale Verhaltensrepertoire von in Gruppen lebenden Orang-Utans systematisch zu erfassen und zu analysieren. Damit soll ein weiterer Baustein für die Rekonstruktion der Evolution der Prosozialität bereitgestellt werden. 

Kopp, K. S., & Liebal, K. (2016). Here you are!—Selective and active food sharing within and between groups in captive Sumatran orangutans (Pongo abelii). Behavioral Ecology and Sociobiology, 70(8), 1219-1233. doi:10.1007/s00265-016-2130-2

Kopp, K. S. (2017). Prosocial Behaviour in Captive Sumatran Orangutans (Pongo abelii). (Doctoral Thesis), Freie Universität Berlin. ID: FUDISS_thesis_000000104317