Wessen Zukunft zählt?
Partizipation ist nicht automatisch Demokratisierung. Diese Ausgangsbeobachtung bildet den Kern der Masterarbeit von Fenja Hentschel, die sich der Frage widmet, inwiefern die Zukunftswerkstatt nach Jungk und Müllert epistemische Ungerechtigkeiten methodisch erzeugt.
News vom 04.08.2026
Die Zukunftswerkstatt gilt als Methode, die Menschen eine Stimme geben soll, die sonst nicht gehört werden. Aber was, wenn die Methode selbst Voraussetzungen setzt, die für viele Menschen gar nicht erfüllbar sind?
Fenja Hentschel zeigt: Wer teilnehmen will, muss schreiben können, synchron anwesend sein, ein bestimmtes Tempo mitgehen, sich körperlich beteiligen und rational-sprachlich artikulieren. Diese Bedingungen sind nicht explizit ausgeschlossen, sie werden schlicht vorausgesetzt - ohne sie zu reflektieren. An der Schnittstelle von Theorien epistemischer Ungerechtigkeit (nach Miranda Fricker) und kritischer Disability Epistemologie unterzieht sie die Methodologie der Zukunftswerkstatt einer kritischen Rekonstruktion. Dabei werden epistemische Ausschlüsse entlang dreier Dimensionen sichtbar: Anerkennung, Raum-Zeit und Wissen. In ihrem Zusammenwirken lassen sich diese als Produktion von Zukunftslosigkeit verstehen - also als Ausschluss bestimmter Gruppen aus dem Raum des kollektiv Gestaltbaren.
Auf dieser Grundlage entwickelt die Arbeit vier normative Prinzipien epistemischer Gerechtigkeit: bedingungslose Anerkennung, verkörperte Zeitlichkeit, multimodale Wissensintegration und - als übergreifende Metaregel - strukturelle Verantwortung. Sie dienen als konzeptioneller Rahmen für eine epistemisch gerechtere Weiterentwicklung der Zukunftswerkstatt und partizipativer Verfahren im Allgemeinen.
Die Masterarbeit wurde von Dr. Nele Fischer und Sascha Dannenberg betreut. Wir gratulieren Fenja Hentschel herzlich zum erfolgreichen Abschluss ihres Studiums!





