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Begrenzte Zukunftsbilder in der Eingliederungshilfe

Die Masterarbeit von Olivia Jonas zeigt, dass die Zukunftsvorstellungen von Akteur:innen der stationären Eingliederungshilfe trotz unterschiedlicher Perspektiven stark ähneln und meist von bestehenden strukturellen Zwängen geprägt sind. Inklusive und transformative Zukünfte werden zwar gedacht, bleiben jedoch oft an als unveränderbar wahrgenommene Rahmenbedingungen gebunden, wodurch echte Alternativen selten entstehen.

News vom 16.06.2026

Olivia Jonas rückt in ihrer Masterarbeit die Zukunftsbilder jener in den Mittelpunkt, die tagtäglich mit der stationären Eingliederungshilfe nach SGB IX zu tun haben: Nutzer:innen, Fachkräfte, Trägervertreter:innen und fachpolitische Akteur:innen. Sie fragt, welche Vorstellungen von inklusiven Zukünften in diesem Feld sichtbar werden - und wie sehr diese Bilder tatsächlich neue Möglichkeitsräume eröffnen oder bestehende Strukturen fortschreiben.

Dafür wurden teilstrukturierte Interviews geführt, qualitativ ausgewertet und entlang inhaltlicher und normativer Dimensionen systematisiert. Die Analyse zeigt: Trotz unterschiedlicher Rollen ähneln sich viele Zukunftsbilder strukturell. Zukünfte erscheinen meist als eng begrenzte Möglichkeitsräume, stark geprägt von Fachkräftemangel, Finanzierungslogiken und rechtlichen Rahmenbedingungen. Oft dominiert ein adaptives, krisengetriebenes Denken - Zukunft wird als Verlängerung aktueller Problemlagen beschrieben, nicht als echte Alternative.

Damit geraten inklusive, transformative Zukünfte zwar nicht völlig aus dem Blick, werden aber an Bedingungen geknüpft, die als kaum beeinflussbar erlebt werden. Zukunftsgestaltung wird eher nach "oben" (Politik, Systeme, Rahmenbedingungen) delegiert, während der eigene Handlungsspielraum selten ausgeschöpft gedacht wird. Die Arbeit macht deutlich, wie stark gegenwärtige Zukünfte, Tabus und antizipatorische Erwartungen das Feld prägen - und wie wichtig es wäre, bewusst an Zukunftsbildern zu arbeiten, die mehr als nur "Weiter so unter Druck" abbilden.

Die Arbeit wurde von Prof. Dr. Elmar Schüll und Sascha Dannenberg betreut. Wir gratulieren Olivia Jonas sehr herzlich zum Abschluss und wünschen ihr alles Gute für ihren weiteren beruflichen Weg!

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