Wie können Menschen im Krieg noch Zukunft denken?
In einer Zeit, in der die Zukunft für viele Ukrainerinnen und Ukrainer von Angst und Unsicherheit überschattet ist, stellt sich eine grundlegende Frage: Wie können Menschen unter existenzieller Bedrohung überhaupt noch Hoffnung entwickeln und Zukunftsbilder entwerfen?
News vom 26.05.2026
Genau dieser Frage ist Vitalii Vorobiov in seiner Masterarbeit "Visioning During War: Prototyping a Trauma-Aware Guided Visioning Process with War-Displaced Ukrainians" nachgegangen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung und Erprobung eines partizipativen Visionierungsprozesses, der kriegsbetroffenen Menschen ermöglicht, von angstdominierten Erwartungen zu konstruktiveren und hoffnungsvolleren Zukunftsbildern zu gelangen - ohne dabei in Schönfärberei oder Therapie abzugleiten.
Die Ergebnisse seines Pilotworkshops mit kriegsvertriebenen Ukrainerinnen und Ukrainern zeigen: Zukunftsimagination bleibt auch in Krisenkontexten zugänglich, profitiert aber von einer spezifischen Sequenzierung - einem neutralen, stabilisierenden Einstieg, einem stärkenbasierten und werteorientierten Fokus sowie der expliziten Erlaubnis, Machbarkeitsdruck vorübergehend auszusetzen. Diese temporäre Loslösung von Plausibilitätszwängen scheint Handlungsfähigkeit zu erweitern und Selbstzensur zu reduzieren.
Vitaliis Arbeit zeigt, dass Zukunftsbilder zu entwickeln mehr ist als nur Ideen sammeln. Es ist ein emotionaler Prozess, der Sicherheit braucht und der Menschen wieder spüren lässt, dass sie etwas bewegen können. Langfristig soll der Ansatz auch digital nutzbar werden - damit viele Menschen ihre eigenen Vorstellungen von der Zukunft einbringen können, nicht nur Politikerinnen, Experten oder große Organisationen. Und es darf nicht auf "nach dem Krieg" verschoben werden - gerade jetzt wird es gebraucht.
Betreut wurde die Arbeit von Dr. Nele Fischer und Dr. Andreas Krafft. Herzlichen Glückwunsch, Vitalii, zu dieser wichtigen und mutigen Forschungsarbeit!





