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Bilderbuch des Monats August 2026

Iwona Chmielewska (2011). Blumkas Tagebuch.

Iwona Chmielewska (2011). Blumkas Tagebuch.

Blumkas Tagebuch 
(Iwona Chmielewska)

Was siehst du da?

Einen Menschen – vielleicht einen Jungen – unter einer Dusche.

Warum sieht das Wasser so aus wie ein Blatt aus einem Liniatur-Heft?

Weiß ich nicht. Warum besteht der Zaun aus Liniatur?

Weiß ich auch nicht. Hat das was mit dem Schreiben zu tun? Mit der Schule oder so?

Ja, passt gut. Ich denke aber auch an Gefängnisstäbe, weiß aber nicht warum.

Oder an dünne Nadeln, die aus der Dusche ,herausfließen‘ und den ganzen Körper durchbohren. Obwohl da Kinder und Blumen zu sehen sind, wirkt das gesamte Bild schon sehr düster auf mich.

Auf jeden Fall. Guck mal, auch die Gesichter, die wirken zum Teil gar nicht so kindlich-fröhlich. Dieser Junge zum Beispiel, der hat was Supererwachsenes an sich, sowohl in der Großaufnahme, als auch als er durch das Tor tritt – da sieht er mit seiner Schiebermütze aus wie ein junger Mann.

Ist das derselbe Junge?

Ja, ich denke schon. Und dann kommt bei mir so ein Gefühl auf, als ob die gar nicht Kind sein dürfen.

Aber die anderen Kinder sehen schon ein bisschen verschmitzt aus, wenn sie da zugucken, wie das eine Kind die Medizin nehmen muss, und auch kindlich, oder?

Guck mal, die Hand, die ins Buch hineinragt, die reicht uns – oder den Kindern? – so einen Glassplitter. Hat was Bedrohliches an sich.

Aber der Ärmel, schau mal, diese Blümchen auf dem Ärmel, das ist so…

Ja, kindlich, oder? Aber diese Scherbe, heißt ja, dass etwas kaputt gegangen ist

Aber aus dem Kaputten kann man ja auch was Neues machen, oder?

Aber die Scherbe passt ja auch zur kaputten Glasscheibe mit dem Davidstern.

Oder vielleicht ist es eine andere…


Das Bilderbuch „Blumkas Tagebuch“ gibt Einblicke in das Leben im jüdischen Waisenhaus von Janusz Korczak, einem bedeutenden Pädagogen, im (besetzten) Warschau Anfang der 1940er Jahre. Es ermöglicht einen literar-ästhetischen Zugang zum Thema Holocaust, bereits in der Grundschule, indem es einerseits die Annäherung an grausame Realität ermöglicht und zugleich fiktionale Deutungsräume eröffnet.

ISBN: 978-3-903893-27-6