Theoretische Rahmung
Das Vorhaben wird von einem Modell pädagogischer Qualität gerahmt, das verschiedene Qualitätsdimensionen in der Organisation Kita auf Ebene der Leitung und der Teams unterscheidet, diese auf das Thema Digitalisierung bezieht und deren Zusammenspiel interdisziplinär untersucht. Ein solches Qualitätsmodell legt nahe, dass die verschiedenen Qualitätsebenen und damit auch die organisationalen wie pädagogischen Prozesse sowie die Kinderpraktiken in Kitas in einem Wechselverhältnis stehen.
Organisationen können aus praxistheoretischer Perspektive als Formierung überindividueller Praxismuster verstanden werden, die das situierte Handeln ihrer organisationalen Akteur:innen prägen. Diese Praxismuster sind organisationsspezifisch und spiegeln sich in Materialitäten, Zeitlichkeit und (z.T. präreflexivem) Praxiswissen wider. Auch digitale Medien können daher als Akteure der Aushandlung organisationaler und pädagogischer Praktiken gefasst werden, durch welche eine Transformation dieser Praktiken angestoßen und damit bisherige Strukturen neujustiert werden. Aus einer (post-)digitalen Perspektive kann dabei angenommen werden, dass Digitalisierung in Kitas nicht nur strategisch geplant ist, sondern dass organisationale und pädagogische Praktiken durch eine Kultur der Digitalität gerahmt sind, die digitale Ungleichheiten erzeugen könnten.
In der Medienbildungsforschung wird diese Thematik mit der Annahme von (relationalen) Veränderungsprozessen von durch Medien gerahmte Weltsichten diskutiert. Ein milieuspezifischer Habitus spiegelt sich in medialen Interaktions- und Gebrauchspraktiken wider, wobei zunächst einmal von Interesse ist, welche digitalen Medien für Kinder überhaupt verfügbar sind. Des Weiteren bestimmen die Interaktionspraktiken von Kita-Kindern mit digitalen Medien den Grad der potentiellen Teilhabe an diesen (verteilten) Praktiken. Dieses Umfeld besteht aus den zentralen Sozialisationsfeldern der Familie und der Peergroup sowie aus Medien als diese Felder überspannendes Phänomen. Inwiefern Teilhabe durch und in Medien gelingen kann, hängt also in erheblichem Maße von den bereits eingeübten (Medien-) Praktiken ab.
Für die Analyse und Entwicklung von Qualitätsmerkmalen der Digitalisierung von Kitas unter Berücksichtigung digitaler Ungleichheit braucht es somit eine interdisziplinäre Perspektive, die ausgehend von den strukturellen Rahmenbedingungen der Einrichtungen die Einstellungen und Haltungen des Fachpersonals, die organisationalen und pädagogischen Praktiken sowie die milieuspezifischen Interaktions- und Gebrauchspraktiken der Adressat:innen frühkindlicher Bildung analytisch in Bezug setzt. Dadurch können relevante Mechanismen digitaler Ungleichheit, d.h. soziale Mechanismen, durch die die Zugehörigkeit zu bestimmten Sozialkategorien in einer Art und Weise sozial relevant wird, dass dies zu Vor- und Nachteilen führt identifiziert und hinsichtlich der Gelingensbedingungen zur Reduzierung digitaler Ungleichheit kritisch reflektiert werden.
