Beobachtungen

von Bernd Villwock

Schon mit dem Einstieg in den ersten Tag war klar, dass die Studierenden des zweiten Semesters sich das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen würden: Mit einem Kennenlernspiel (benachbarte Teilnehmer berichteten sich gegenseitig ihre „Unsicherheiten“ zu drei vorgegebenen Zeithorizonten) sorgten die Moderatoren nicht nur für die inhaltliche Einstimmung und eine Atmosphäre des Austauschs, sondern bereiteten auch die Rahmung des Huddle „Zukunft 2050“ vor.

Genauso gut durchdacht waren auch die Organisation, Zeitplan, Vorträge und Abfolge, die Tagungsmappe sowie das Raumkonzept der Tagung. Völlig zu Recht nannte der Schirmherr des Huddle, Prof. Dr. Reinhold Popp, dann auch den Huddle* 2017 in seiner Begrüßung einen Höhepunkt in der (noch recht kurzen) Geschichte dieser Veranstaltung.

Ein eigenständig entwickeltes Tagungsformat hatten sich die ZuFos des zweiten Semesters ausgedacht und eigenverantwortlich umgesetzt: Nach jeweils einer Serie von vier Impulsvorträgen folgte sofort im Anschluss ein intensiver Austausch mit den Referent*innen und anderen Teilnehmer*innen an den „Thementischen“. Weiterer Clou: Durch die Visualisierung des Diskussionsverlaufs war der Wechsel zwischen den Thementischen möglich, sodass die Teilnehmer*innen zu mehreren Themen diskutieren konnten.

Das Konzept ging zu 100 Prozent auf: Schon in der ersten Pause begannen intensive inhaltliche Gespräche, die über den ganzen Tag nicht an Energie verloren. Die Veranstalter sorgten jedoch mit striktem Zeitmanagement dafür, dass auch die letzten Vorträge planmäßig und ohne Zeitdruck gehalten werden konnten.

Die erfreulich zahlreich anwesenden Dozenten zeigten sich beeindruckt von der Professionalität der Veranstaltung. Unter den neuen Studierenden des kommenden Semesters kam vor allem die Botschaft an, die einer von ihnen so formulierte: „Mit diesem Studium kann man also wirklich etwas in der Praxis anfangen!“

Zu diesem Erfolg trugen maßgeblich die vielseitigen und spannenden Impulse aus und für Theorie und Praxis der Zukunftsforschung bei, für die die bewusst offene Übertitelung „Methode.Zukunft.Forschung.“ gefunden wurde. In den Vorträgen wurden nicht nur die vielfältigen Anwendungsbereiche der Zukunftsforschung deutlich, sondern auch die zahlreichen noch offenen Fragen in der wissenschaftlichen Methodendiskussion (Beispiel: Real-time-Delphi, Schönmoser).

Gut herausgearbeitet wurde in den Vorträgen auch, wie unterschiedlich Zukunftsforschung in den unterschiedlichen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft bereits etabliert ist. Während sie in der Stadtplanung vor dem Hintergrund langfristiger Planungsentscheidungen offenbar bereits gelebte Praxis ist, musste man in Großkonzernen wie Volkswagen (Daryan) einen weiten Weg gehen, um Zukunftsdenken in ausreichender Breite und Tiefe zu verankern. Gar als „Alien“ fühlt man sich offenbar als Zukunftsforscher in der großstädtischen Verwaltung, wo noch „Prinzipien vor Projektionen“ und „Hierarchie vor Partizipation“ geht. Dies wurde von C. Schoon eindringlich und humorvoll – sprachlich wie optisch – transportiert.

Um Visualisierung ging es auch in mehreren anderen Vorträgen: als Mittel der Planungsunterstützung (Szczepanska/Priebe/Higi), der breiten Bürgerpartizipation (Korn) und um Zukunftsideen greifbarer und besser kommunizierbar zu machen. Hier zeigte sich auch, wie sinnvoll es sein kann, Synergien zwischen der Kreativitäts- und Kommunikations-Branche und der Zukunftsforschung herzustellen (Ollenburg).

Mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen beschäftigten sich drei weitere Vorträge auf gehaltvolle und anregende Weise: Um Wege aus dem hohen Ressourcenverbrauch in Verbindung mit der Nutzung von Konsumgütern ging es bei Hubel und Hofmann. Simon Korn zeigte an drei Beispielen partizipative Wege aus der Krise schrumpfender Städte auf. Ronja Bader und Moritz Heumer illustrierten schließlich an dem innovativ-partizipativen Format eines Kulturfestivals, wie gesellschaftliche Lernfelder für neue Formen eines kooperationsorientierten Zusammenlebens aussehen können.

Spielerisch ging die allseits gelobte Tagung zu Ende: Die über den Tag entstandenen, von Nele Fischer meisterlich zeichnerisch umgesetzten Zukunftsvisionen für 2050 wurden gemeinsam in kurzen Geschichten vorgetragen. Zurückgekehrt in die Gegenwart, fand am Ende auch Institutsleiter Prof. Dr. Gerhard de Haan würdigende Worte: „Der Huddle ist ein gutes Format mit Zukunft!“

Und auch die Organisatoren und Mitwirkenden der Veranstaltung des zweiten ZuFo-Semesters zeigten zufriedene Gesichter: „Ein rundum gelungener Tag!“ fasste Hendrik Brandenburger für alle zusammen – und entschwand dann auf das wohlverdiente abendliche Sommerfest des Masterstudiengangs Zukunftsforschung.

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