Tisch und Vortrag 3: Mit Simulationen Urbane Zukunft Explorieren

Gastgeber: Max Priebe, Timo Szczepanska, Leonard Higi

von Leonard Higi

Max Priebe, Timo Szczepanska und Leonard Higi stellten in der Präsentation des Forschungsprojekts PaSyMo – Partizipative System-Modellierung als Tool für integrierte Stadtentwicklung Handlungsfelder praxisbezogener Zukunftsforschung in städtischen Kontexten abseits der großen Metropolen vor.

Ziel des Projekts am Institut für angewandte Forschung – Urbane Zukunft an der Fachhochschule Potsdam ist es, Computersimulationen zu entwickeln, die Zukunftsvisionen, Leitbilder und Was-Wäre-Wenn-Szenarien konkretisieren und überprüfbar machen. Das Forschungsprojekt läuft über eine Dauer von zwei Jahren und wird aus Mitteln des Europäischen Fond für Regionale Entwicklung finanziert. Projektstart war im März 2017.

Auf Basis eines multidimensionalen Verständnisses des Stadtbegriffs, der die Betrachtungsebenen der gebauten Stadt, der sozialen Stadt und der digitalen Stadt umfasst, werden mögliche Einsatzfelder und inhärente Potentiale zur Unterstützung partizipativer Formate evaluiert und dann in der Praxis in einer brandenburgischen Klein- oder Mittelstadt erprobt.

Ein möglicher Städtepartner wäre dabei die Stadt Cottbus, die aufgrund struktureller Transformationen mehrere interessante Erprobungsfelder aufweist.

So macht ein Rückgang des innerstädtischen Wohnraumbedarfs bestehende Baustruktur teils obsolet. Die den Rückbau dieser Baustruktur vorbereitende und flankierende Neuorganisation der Struktur der betroffenen Stadtteile stellt an die Stadtentwicklung Herausforderungen in Hinsicht auf Diversität, soziale Einrichtungen, Umsiedlung der Bewohner und Leerstandsmanagement.

Neben dem soziodemographischen Wandel ist Cottbus auch durch den Strukturwandel auf konkret räumlicher Ebene betroffen: Ein stillgelegter Tagebau soll in den nächsten Jahren geflutet werden. Mit dem Ostsee soll der größte künstliche See Deutschlands entstehen. Im konzipierten angelagerten Neubaugebiet sollen wirtschaftliche, touristische und Naherholungs-Aspekte verstärkt eine Rolle spielen.

In beiden Entwicklungsprozessen bieten sich spannende Ansätze zur Unterstützung von Bürgerbeteiligung durch PaSyMo.

Das an der FH Potsdam bestehende Visualisierungszelt VisTent bietet die Grundlage für mögliche Visualisierungslösungen – auch Referenzen, unter anderem das Projekt CityScope des MIT Media Lab und seine Praxisanwendung im Rahmen von Finding Places des City Science Lab der HafenCity Universität Hamburg zeigen mögliche Entwicklungspfade und erste Vorstellungen der Visualisierung im Rahmen von PaSyMo auf.

Die folgende Diskussion am Thementisch zeigte die Bandbreite der aufkommenden Fragestellungen des Projekts – insbesondere hinsichtlich der unterschiedlichen Akteurskonstellationen und ihrer Rolle in transformativen Prozessen in der Stadt. Über die Relation von Bürgerexpertise zu raum- und stadtplanerischer Fachexpertise über die Interaktion kommunaler Planungsstellen und privatwirtschaftlicher Stakeholder mit eigener Agenda bis hin zu konkreten Akteurskonstellationen und Herausforderungen im Fall Cottbus.

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