Jahrgangsübergreifende Lerngruppen im Schulanfang (JüLiSA)

Die Studie mit dem Titel "Förderung leistungsstarker und leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler in jahrgangsgemischten Lerngruppen im Schulanfang" läuft an sechs Berliner Grundschulen, die im Zusammenhang der Modellversuche "Verlässliche Halbtagsschule" (VHG) oder "Jahrgangsübergreifende Lerngruppen" (JÜL) altersgemischtes Lernen einführten und erproben. Die Studie erfolgt im Auftrag des Berliner Senators für Bildung, Jugend und Sport.

Forschungsinteresse

Ziel des Forschungsprojektes JüLiSA ist es, die Praxis der jahrgangsübergreifenden Lerngruppen in einer Längsschnittstudie über zwei Jahre zu beobachten, zu dokumentieren und kritisch zu reflektieren. Dabei liegt der Schwerpunkt der Fragestellung auf der Förderung von leistungsschwachen und leistungsstarken Schülerinnen und Schülern in solchen Lerngruppen. In einem ersten Schritt waren die Interaktionen zwischen den Kindern von besonderem Interesse. Diese sind für den Forschungszusammenhang insofern von zentraler Bedeutung, als sich Lernen zu einem großen Teil in der Auseinandersetzung und im Austausch mit anderen vollzieht, also sozial konstituiert ist. In einer jahrgangsgemischten Gruppe bekommt die Kommunikation zwischen den Kindern dabei noch eine weitere Qualität. Hierbei interessierte vor allem: Finden Interaktionen zwischen Kindern unterschiedlichen Alters statt und welche Qualität haben sie? Welche Qualität haben die Hilfestellungen, die ältere Kinder jüngeren geben?

Stichprobe

Es wurden sechs Klassen an sechs Berliner Grundschulen ausgewählt, die

  • bereits mindestens zwei Jahre Erfahrung mit jahrgangsgemischten Klassen am Schulanfang haben,
  • bereit waren, an der Untersuchung teilzunehmen,
  • in verschiedenen Bezirken Berlins liegen und damit eine unterschiedliche Schülerklientel haben, vom sozialen Brennpunkt bis zum gutbürgerlichen Einzugsbereich,
  • einen geöffneten, individualisierten Unterricht anbieten mit Freiarbeit, Wochenplan- oder Werkstattarbeit,
  • unterschiedliche Modelle von Mischungen anbieten: 1./2. Klasse - Vorklasse/1./2. Klasse - 1./2./3. Klasse.

So ergab sich eine Auswahl, die in ihrer Mischung repräsentativ für die Situation Berliner Grundschulen ist.

Erhebungsverfahren

In einem ethnographischen Zugang wurden Kinder in ihrem ersten und zweiten Schulbesuchsjahr in einer solch gemischten Lerngruppe beobachtet. In Anlehnung an Else Müller-Petersen und Peter Petersen wurden die Beobachtungen im Sinne der Pädagogischen Tatsachenforschung protokolliert. Mit den Lehrerinnen dieser Klassen wurden am Ende des Beobachtungszeitraums leitfadengestützte Interviews zu ihren Konzepten, Einstellungen und Erfahrungen mit jahrgangsgemischtem Anfangsunterricht geführt. Am Ende der ersten und am Ende der zweiten Klasse wurden Schulleistungstests durchgeführt (Mathematik: DEMAT 1+ und 2+; Lesen: Würzburger Leiseleseprobe).

Auswertung

Die Auswertungen der Interviews und der Beobachtungen erfolgen inhaltsanalytisch., die Auswertung der Beobachtungen computergestützt anhand eines Kategoriensystems. Bereits vorliegen Ergebnisse zum Interaktionsverhalten der beobachteten SchülerInnen untereinander. Vgl. bspw.: Kucharz, D./Wagener, M. : Das Lernverhalten von Schülerinnen und Schülern im jahrgangsgemischten Anfangsunterricht. In. Grundschule Heft 1, 2005

Laufzeit:

  • Erhebungsphase: Schuljahre 2002/2003 und 2003/2004
  • Gesamtlaufzeit: September 2001 bis Juli 2005

Projektleitung

 

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