DFG Forschungsnetzwerk QualNet
In der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung, die lange von standardisiert-quantitativen Ansätzen geprägt war, werden seit rund zwei Jahrzehnten verstärkt qualitative Zugänge diskutiert. Dennoch stehen Forschungsprojekte weiterhin vor offenen Fragen der Anwendung qualitativer Netzwerkforschung – etwa zur theoretischen Fundierung, zu geeigneten Erhebungs- und Analyseverfahren sowie zur Abstimmung von Theorie und Methode. Vor allem im deutschsprachigen Raum entstehen innovative Ansätze, die jedoch bislang kaum systematisch aufgearbeitet wurden. Grundlegende methodologische Fragen lassen sich zudem nicht allein in Einzelstudien klären, sondern benötigen einen übergreifenden Diskurs.
Das wissenschaftliche Netzwerk QUALNET zielte daher erstens auf die Systematisierung und Weiterentwicklung des deutschsprachigen Forschungsstands zur qualitativen Netzwerkforschung und zweitens auf dessen Rückbindung an internationale Diskussionen. Ausgangspunkt war die Sichtung aktueller empirischer Arbeiten, aus denen zentrale theoretische, methodische und methodologische Gemeinsamkeiten extrahiert wurden. Durch Diskussionen innerhalb des Netzwerks, mit Expert:innen und im Anschluss an etablierte qualitative Theorien konnten vier leitende Prämissen qualitativer Netzwerkforschung herausgearbeitet, historisch eingeordnet und schließlich in Standards eines methodischen Vorgehens überführt werden. Die Ergebnisse wurden in einer Einführung in die Qualitative Netzwerkforschung gebündelt und veröffentlicht.
Zentral für die qualitative Netzwerkforschung ist die Frage nach der Bedeutung von Beziehungen und Beziehungsgefügen für das soziale Handeln. Beziehungen werden dabei als eingebettet, sozial hergestellt, durch institutionalisierte Deutungshorizonte geprägt und dynamisch ausgehandelt verstanden. Qualitative Netzwerkforschung untersucht somit subjektive, soziale und objektive Sinnsetzungen, um zu erklären, wie Beziehungen Wirklichkeit strukturieren und hergestellt wird.