Springe direkt zu Inhalt

Forschung

Peer Beziehungen von chronisch kranken jungen Erwachsenen

Freie Universität Berlin

Prof. Dr. Uwe Flick

01.10.2021 — 30.09.2027

Hintergründe und Ziele des Projekts Chronische Krankheiten können in jedem Lebensalter auftreten und sind folglich nicht auf das (höhere) Erwachsenenalter beschränkt. Bei jungen Erwachsenen, die chronisch erkrankt sind, handelt es sich um eine Zielgruppe in einem Lebensabschnitt, der von besonderen Herausforderungen gekennzeichnet ist und als Phase des Suchens und Erkundens gilt: Junge Erwachsene ‚probieren sich aus‘, was Liebesbeziehungen, Arbeitsverhältnisse oder Weltsichten anbelangt. Sie pflegen vielfältige soziale Kontakte, gehen sporadisch Liebesbeziehungen ein und verwerfen sie wieder. Im jungen Erwachsenenalter werden zudem wichtige berufliche Festlegungen getroffen, es fallen Entscheidungen für oder gegen bestimmte Ausbildungswege, die teils auch nochmals revidiert werden. Junge Erwachsene, die chronisch krank sind, sehen sich nicht nur solchen normativen ent­wicklungsbezogenen Anforderungen gegenüber. Vielmehr müssen sie zuneh­mend selbst die Verantwortung für ihr Krankheitsmanagement übernehmen, für das vormals die Eltern ‚zuständig‘ waren. Ob es ihnen gelingt, krankheitsspezifische Erfordernisse zu erfüllen und die Erkrankung in den Alltag zu integrieren, ist nicht nur von ihnen allein abhängig, sondern auch von sozialen Bezugspersonen, vor allem von gleichaltrigen Peers. Allerdings gelten viele chronisch kranke junge Erwachsene als sozial isoliert. Sie erleben, dass sie während akuter Krankheitsschübe soziale Beziehungen nicht halten können oder fühlen sich von Freund*innen oder Partner*innen prinzipiell unverstanden. An tiefer­ge­hen­den, sy­ste­ma­tischen Erkenntnissen über die soziale Einbindung von jungen Erwachsenen mit chronischen Krankheiten mangelt es jedoch – vor allem in Deutschland. Unser Projekt knüpft hieran an: Gendersensitiv soll analysiert werden, welche Rolle Gleichaltrige für das Krankheitsverhalten von chronisch erkrankten jungen Erwachsenen spielen, die sich in der Phase des Übergangs von schulischen in weiterführende Bildungsangebote befinden. Zugleich wird gefragt, wie die Krankheit die Qualität der Peer-Beziehungen von chronisch kranken jungen Erwachsenen beeinflusst. Wechselseitige Einflüsse zwischen chronischen Erkrankungen und sozialen Beziehungen sollen nicht nur aus der Perspektive der Betroffenen, sondern auch aus der ihrer Peers analysiert werden. Methodisches Vorgehen Es sollen episodische Interviews mit jungen Erwachsenen geführt werden, die unter Diabe­tes/I, Krebs oder chronisch-entzündlichen Darmer­krankungen leiden und sich z.B. in Bezug auf die Schwere und den Verlauf ihrer Erkrankung vonei­nander unters­­cheiden. Zudem sollen gleichaltrige Bezugspersonen chronisch erkrankter junger Erwachsener in­ter­viewt werden, die für sie als Unterstützungspersonen relevant sind. Die Auswertung der Interviews erfolgt mittels Thematischen Kodierens, das der Heraus­ar­beitung von Deutungs- und Handlungsmustern sowie der Entwicklung von Typologien auf der Grundlage kontrastierender Fallstudien dient. Publikationen Flick, U. & Röhnsch, G. (2026). “It’s sometimes a tightrope walk… ” – Exploring dyadic coping arrangements between young adults with chronic conditions and their peers (friends or partners) in interviewing both sides.  Health Psychology Open,  13: 1-21.  https://doi.org/10.1177/20551029251413630   Flick, U., Röhnsch G. (2024) Self-Management and Relationships: Perspectives of Young Adults With Chronic Conditions and Their Peers.  Qualitative Health Research .  https://doi.org/10.1177/10497323241285761   Flick, U., & Röhnsch, G. (2024). Young adults living with chronic illness: disclosure strategies and peers’ understanding.  Disability and Rehabilitation , 1–12.  https://doi.org/10.1080/09638288.2024.2400598 Röhnsch, G., Flick, U. (2024). Umgang mit subjektiv erlebten Coronarisiken: Sichtweisen junger chronisch kranker Erwachsener.  Prävention und Gesundheitsförderung .  https://doi.org/10.1007/s11553-023-01020-z Röhnsch, G., & Flick, U. (2023). „(…) das wollte ich auch nicht mit so vielen teilen.“ – Kommunikation chronisch kranker junger Erwachsener mit Gleichaltrigen. Gesundheitswesen , 85(08/09), [145].  https://doi.org/10.1055/s-0043-1770456   Röhnsch, G., & Flick, U. (2023). Qualitative Studie – Wie sprechen junge chronisch kranke Erwachsene mit Peers über ihre Erkrankung? Bauchredner , 2023(4), 55-57. Vorträge Flick U. (2026): Multiperspektivität in der Qualitativen Forschung – am Beispiel chronischer Krankheit und Peer-Beziehungen. Gast-Vortrag im Rahmen des Colloquiums des Promotionsstudiengangs "Interpretative Bildungs- und Erziehungswissenschaftliche Forschung", Freie Universität Berlin. Röhnsch, G. (2025): Resonanz im Kontext chronischer Erkrankungen: Chronisch kranke junge Erwachsene und ihre Peers. Vortrag im Rahmen des Gemeinsamen Kongresses der Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP) und Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) , Jena 03. – 05.09.2025 Röhnsch, G. & Flick, U. (2025): „(…) diese Grundsicherheit wird einem da genommen (…)“ – Krankheitsinvalidationen als Teilhabe-Barriere am Versorgungsprozess aus der Sicht schwer chronisch kranker junger Erwachsener, Vortrag im Rahmen der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für S DGSMP 2025 , Berlin 17. – 19.09.2025 Flick U. (2024): Multi-perspectivity in qualitative research – approaches, methodological challenges and insights. Keynote, 8th World Conference on Qualitative Research  (WCQR), 23.01.2024, Sao Miguel-Azores, Portugal und Johannesburg, Südafrika, und online. Röhnsch, G., & Flick, U. (2023): „(…) das wollte ich auch nicht mit so vielen teilen.“ – Kommunikation chronisch kranker junger Erwachsener mit Gleichaltrigen. Vortrag im Rahmen der 58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention e.V. (DGSMP2023). Hannover 30.08. – 01.09.2023 Flick, U., & Röhnsch, G. (2023): “You develop realistic views on life”: Peer relations and communication of chronically ill young adults. Vortrag im Rahmen der 37th Annual Conference of the European Health Psychology Society . Bremen, 05.09.2023 Röhnsch, G., & Flick, U. (2023): „Man muss ja immer so selber seinen Umgang damit finden (…)“. – Selbstmanagement junger Erwachsener mit chronischen Erkrankungen im Peer- Kontext. Vortrag im Rahmen des gemeinsamen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie. Gießen, 21.09.2023 Flick, U. (2023): .„(…) ich bin Krankenhaussystem und Therapie ausgeliefert, den Nadeln, den Infusionen (…)“. Folgen professioneller Hilfen und Methodische Multiperspektivität in der Forschung. Keynote im Rahmen der Tagung „Was wirkt aus wessen Perspektive? Aktuelle Forschungen zu Folgen sozialer Hilfen“ des DFG-Graduiertenkollegs „Folgen sozialer Hilfe .“ Siegen, 07.-08.09.2023 Röhnsch, G., & Flick, U. (2023): „Dadurch bin ich auch schon so 'n bisschen mit anderen mal in Kontakt getreten (…)“. – Selbstmanagement und Selbsthilfe junger Erwachsener mit chronischen Erkrankungen im Kontext von Peer-Beziehungen. Vortrag im Rahmen des Fachtags: Krankheiten und Krisen im Jugendalter-Peer-to-Peer-Hilfen als Selbsthilfe?! Paritätischer Landesverband Sachsen, Dresden, 13.11.2023 Röhnsch, G., & Flick, U. (2022): Jung und chronisch krank – und das in Zeiten von Corona… Subjektive Corona-Risikowahrnehmungen von jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen. Vortrag im Rahmen der ILCO (Selbsthilfevereinigung von Stomaträgern, Menschen mit Darmkrebs und ihren Angehörigen)-Tage , Mannheim, 10.09.2022